Zwangshandlungen frühzeitig therapieren

Händewaschen ist wichtig, aber übertriebene Hygiene kann zum Waschzwang werden. (Foto: Gerhard Seybert / Fotolia)
Händewaschen ist wichtig, aber übertriebene Hygiene kann zum Waschzwang werden. (Foto: Gerhard Seybert / Fotolia)

(dbp/cwr) Zwangserkrankungen sollten in einem frühen Stadium behandelt werden, weil die Betroffenen häufig auch an Depressionen erkranken.

Darauf weist der Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) hin.

Eine Zwangserkrankung ist eine psychische Störung, deren wesentliche Kennzeichen wiederkehrende unerwünschte Gedanken sind, die den Betroffenen über einen längeren Zeitraum beschäftigen. Meist kommen zu den Zwangsgedanken auch zwanghafte Handlungen hinzu wie Kontroll-, Wasch-, Ordnungs-, Wiederholungs- oder Zählzwang. Beide Arten von Zwängen – Gedanken und Handlung – beschäftigen den Betroffenen unentwegt. Die Folge: Sie können nicht mehr so viel leisten und ziehen sich vor Freunden und der Familie zurück.

Zeitgleich erhöht sich das Risiko, eine Depression zu entwickeln – auch gerade weil die Erkrankten selbst wissen, wie unsinnig ihre Tätigkeiten sind, sie aber nicht allein den Weg aus der Krankheit finden.

Die Ursachen für Zwangserkrankungen sind noch nicht vollständig geklärt. Erziehung, genetische und biologische Einflüsse sowie die Art und Weise, wie ein Mensch gelernt hat, auf seine Umwelt zu reagieren – all das spielt eine Rolle. „Während gesunde Menschen in ihrem Gedankenfluss durch unangenehme oder unangebrachte Gedanken nicht weiter beeinflusst werden, berichten Zwangserkrankte von einem Hängenbleiben an solchen Gedanken“, erklärt Dr. Christa Roth‐Sackenheim, Vorsitzende des BVDP. Das löse Anspannung aus, die vermeintlich nur überwunden werden könne, indem die Betroffenen die Handlungen ausführen – eine Spirale setzt sich in Gang, die ein normales Leben zunehmend unmöglich macht.

„Als Behandlungsmaßnahmen steht eine Verhaltenstherapie gegebenenfalls unterstützt durch eine medikamentöse Behandlung zur Verfügung. Die allermeisten Patienten profitieren langfristig davon und werden dadurch in die Lage versetzt, wieder selbstbestimmt leben zu können – selbst wenn manche Zwänge nicht vollständig verschwinden“, erklärt die Expertin.