Zuwendung durch Maschinen mit Sensoren

Kuscheliges Fell und Kulleraugen haben Stofftiere auch, aber Paro hat viel mehr zu bieten. (Foto: Beziehungen pflegen GmbH)
Kuscheliges Fell und Kulleraugen haben Stofftiere auch, aber Paro hat viel mehr zu bieten. (Foto: Beziehungen pflegen GmbH)

Roboter helfen im Haushalt und können therapeutisch eingesetzt werden

(dbp/auh) Roboter in der Pflege? So etwas gibt es vielleicht in Japan, wo die Menschen noch fortschrittsgläubig und technikverrückt sind, aber doch nicht bei uns! Stimmt nicht ganz. Seit 15 Jahren arbeiten Forscher in Stuttgart am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) an der Entwicklung des mobilen Service-Roboters „Care-O-bot“. Die moderne Haushaltshilfe soll behinderten und älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen.

Beim Design wurde allerdings absichtlich Abstand genommen von den in Japan üblichen, humanoiden Robotern, denn menschenähnliche Maschinen rufen hierzulande eher düstere Assoziationen hervor. Die Dresdner Technikphilosophin Manja Unger-Büttner erläuterte diesen Unterschied auf einer Fachtagung in Gießen am 4. Juli 2013 mit den verschiedenen kulturgeschichtlichen Traditionen: Hüben das Frankensteinmonster, drüben die Manga-Lieblinge.

Care-O-bot: mehr Pinguin als Mensch

In jedem Fall sieht „Care-O-bot 3“, die mittlerweile dritte Generation des interaktiven Butlers, eher aus wie ein Pinguin mit Bauchladen. Über das Tablett oder auch über ein externes Gerät kann der Benutzer seine Bestellung eingeben, der Roboter fährt dann beispielsweise in die Küche und holt den gewünschten Gegenstand. Er kann sich kollisionsfrei bewegen, da er (auch dynamische) Hindernisse erkennt und umfahren kann. Sogar Türen kann er selbstständig öffnen.

Paro: zwei Prozessoren zum Verlieben

Ein anderes Beispiel für den Einsatz der Robotertechnik in der Pflege ist Paro, die therapeutische Robbe. Sie wurde – wo sonst – in Japan „geboren“, und zwar schon vor 20 Jahren. Im Jahr 1993 begann der Erfinder Takanori Shibata mit ihrer Entwicklung. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz hat das Unternehmen Beziehungen pflegen GmbH den Vertrieb übernommen. Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste dürfen Paro nur mieten, leasen oder kaufen, wenn sie ein Anwendertraining absolviert haben. Denn die interaktive Robbe kann mehr als ein Kuscheltier.

Das Sattelrobbenbaby verbirgt unter seinem antibakteriellen Fell zwei 32-Bit RISC-Prozessoren sowie Sensoren, die auf Berührungen, Licht, Akustik, Temperatur und Position reagieren. Paro merkt zum Beispiel, ob und wie intensiv er gestreichelt wird und er reagiert entsprechend unterschiedlich mit Lauten, Flossenbewegungen und Augenklimpern. Er hebt den Kopf in die Richtung, von wo er angesprochen wird. Sein Lagesensor lässt ihn spüren, ob er hochgehoben wird, dann schmiegt er sich an.

Paro wird mittlerweile in mehr als 50 Pflegeeinrichtungen in Deutschland eingesetzt. An der FH Frankfurt wird Paro unter der Leitung von Professorin Barbara Klein seit Jahren intensiv erforscht. Ihre Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Paro trotz anfänglicher Skepsis von Pflegekräften, Therapeuten, Bewohnern und auch schwer kranken Patienten als positiv angesehen wird. Die Robbe ermöglicht Kommunikation, wo vorher absolutes Schweigen herrschte und Freude, wo vorher nur Schmerz und Trauer war.