Zu Hause sterben dürfen dank Spezial-Team

Zu Hause leben bis zum Schluss – mithilfe der ambulanten Palliativversorgung ist das vielen Menschen möglich. (Foto: Herby Me / Fotolia)
Zu Hause leben bis zum Schluss – mithilfe der ambulanten Palliativversorgung ist das vielen Menschen möglich. (Foto: Herby Me / Fotolia)

Seit 2007 besteht ein Rechtsanspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung

(dbp/auh) Viele Menschen möchten ihre letzte Lebensphase zu Hause verbringen. In einer repräsentativen Umfrage des „Zentrums für Qualität in der Pflege“ sagten das 49 Prozent der im Oktober 2013 Befragten. 27 Prozent wünschten sich ein Hospiz als Sterbeort. Krankenhaus (drei Prozent) und stationäre Pflegeeinrichtung (vier Prozent) sind als Wunschorte weit abgeschlagen.

Die Realität sieht ganz anders aus. Nach Schätzungen sterben zwischen 70 und 80 Prozent der Deutschen in Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen. Genaue Zahlen gibt es nicht, da auch das Heim als letzte private Adresse im Totenschein angegeben wird.

Ambulante Palliativversorgung auch im Heim

Die ambulante Palliativversorgung trägt dazu bei, vielen Sterben einen ungewollten Umzug in den letzten Lebenstagen oder -wochen zu ersparen. Die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) steht unheilbar Kranken zur Verfügung, die zu Hause gepflegt werden möchten. Sie wird von Ärzten und Pflegern mit einer palliativmedizinischen Basisqualifikation erbracht – nach Angaben der Bundesärztekammer vor allem von niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie ambulanten Pflegediensten. Geschulte ehrenamtliche Hospizmitarbeiter werden je nach Bedarf aktiv mit eingebunden. Übrigens: Die AAPV kann auch für Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Behindertenhilfe oder stationären Hospizen verordnet werden.

Zehn Prozent der Patienten brauchen SAPV

Bei etwa zehn Prozent aller Palliativpatienten reicht diese „Basisversorgung“ nicht aus. Sie haben seit 2007 einen Rechtsanspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), müssen also auch ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen. Voraussetzung für den Anspruch ist das Vorliegen einer „nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung“, wie es der Gesetzgeber formuliert (Paragraf 37b im Fünften Sozialgesetzbuch).

Die SAPV kann vom behandelnden Haus- oder Facharzt, aber auch vom Klinikarzt verordnet werden. Im Unterschied zum „normalen“ ambulanten Pflegedienst ist das multiprofessionelle SAPV-Team (auch Palliative-Care-Team genannt) rund um die Uhr, auch am Wochenende, telefonisch erreichbar.

Die Ärzte und das Pflegepersonal im SAPV-Team müssen spezielle Weiterbildungen in Palliativmedizin beziehungsweise Palliative-Care nachweisen und darüber hinaus praktische Erfahrung in der ambulanten oder stationären Palliativpflege haben. Das Team führt regelmäßige Teamsitzungen und Fallbesprechungen durch und arbeitet eng mit Ärzten, Pflegediensten, Krankenhaus und den Einrichtungen der Hospizbewegung zusammen.

Rechtsanspruch nicht überall durchsetzbar

Sowohl für SAPV als auch für AAPV bestehen Angebotslücken, die regional unterschiedlich groß ausfallen. Von einer flächendeckenden Versorgung kann jedenfalls nach Angaben der Bundesärztekammer keine Rede sein. „Von Bundesland zu Bundesland ist die Situation verschieden“, bestätigt Karin Dlubis-Mertens von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Nach ihren Angaben haben bis Ende 2013 bundesweit 8.218 Ärzte die Zusatzbezeichnung „Palliativmedizin“ erworben und mehr als 20.000 Pflegende haben die Weiterbildung „Palliative Care“ absolviert.