Zahnrettung ist eine Frage der Zeit

Bei Zahnverlust ist Eile geboten: Schnell in die Rettungsbox mit dem Zahn, ihn aber dabei nicht an der Wurzel berühren. (Foto: Initiative proDente e. V.)
Bei Zahnverlust ist Eile geboten: Schnell in die Rettungsbox mit dem Zahn, ihn aber dabei nicht an der Wurzel berühren. (Foto: Initiative proDente e. V.)

Beim unfall- oder sportbedingtem Verlust eines „erwachsenen“ Zahns ist Eile geboten

(dbp/mhk) Sport ist gesund, birgt jedoch ein Risiko für Zahnverletzungen. In dieser Hinsicht „riskant“ sind zum Beispiel Hockey, Kampfsport, Radfahren und Reiten, aber auch Inline-Skating oder Skate-Boarding. Rund 80 Prozent der Unfälle betreffen die oberen Schneidezähne, erläutert Dr. Gabriel Krastl, Leiter des Zahnunfallzentrums der Baseler Universitätszahnkliniken für Zahnmedizin.

„Wenn der Zahn nur stark gelockert oder verschoben ist, versuchen Sie auf keinen Fall, den Zahn zu bewegen. Beißen Sie auch recht vorsichtig zusammen“, rät Dr. Krastl. Wenn ein Zahn im Ganzen ausgeschlagen wird, ist ein Wiedereinpflanzen in Kieferknochen durch den Zahnarzt möglich und auch empfehlenswert. Dafür kommt es jedoch auf den richtigen und raschen Transport an. Denn ein „herrenloser“ Zahn kann schon nach etwa 30 Minuten so geschädigt sein, dass er nicht wieder vollständig anwächst. „Fassen Sie den Zahn nur an der Zahnkrone, am oberen weißen Teil an, auf keinen Fall die Zahnwurzel berühren“, warnt Krastl. Auch darf der Zahn nicht gereinigt werden.

Jede Minute zählt

„Entscheidend für ein komplikationsloses Einheilen ist das Überleben der Zellen auf der Wurzeloberfläche. Dies ist nur gewährleistet, wenn die Zeitdauer bis zum Wiedereinpflanzen möglichst kurz, das heißt wenige Minuten, oder der ausgeschlagene Zahn feucht in einer speziellen Nährlösung gelagert wird“, erklärt der Experte. Die in Apotheken erhältliche Zahnrettungsbox ermöglicht eine keimfreie und feuchte Aufbewahrung des herausgeschlagenen Zahnes bis zu 24 Stunden. Damit können die Zahnwurzelfasern bis zur Replantation lebend erhalten werden. „Ist dennoch keine solche Box verfügbar, kann kalte H-Milch eine zwar nicht optimale, aber tragbare Alternative für etwa eine Stunde darstellen, um eine Trockenlagerung zu vermeiden“, sagt Krastl. Notfalls könne der ausgeschlagene Zahn in einer Plastikfolie kurzfristig feucht gehalten werden, bis eine bessere Lösung gefunden wird.

Bei größeren Unfällen lieber in die Klinik

Bei Verletzungen oder Schlägen im Gesicht, die zum Verlust oder der Fraktur eines Zahnes führen, können Knochenbrüche und Weichteilverletzungen vorliegen. Bei größeren Unfällen im Gesichtsbereich sollte man sich daher direkt an die mund-, kiefer-, gesichtschirurgische Abteilung einer Klinik wenden.

Nach Wiedereinsetzen eines Zahnes wird dieser mit einer Schiene für ein bis zwei Wochen stabilisiert. „Damit kann der Patient wie immer essen und trinken, sollte allerdings sorgfältige Zahnpflege betreiben“, so der Fachmann. Eine Antibiotikaeinnahme bis zu zehn Tagen ist kann eventuell nötig sein. Ein Blick in den Impfpass gibt Klarheit, ob der Tetanus-Schutz aufgefrischt werden muss.

„Wie schwer eine Verletzung ist, ob möglicherweise Zahnwurzeln oder -nerven mit betroffen sind, kann nur der Zahnarzt feststellen“, betont Krastl. Nach einem Zahnverlust setzt an der betroffenen Stelle ein Knochenabbau ein. Implantate (künstliche Zahnwurzeln) kommen heutzutage routinemäßig zur Anwendung, wenn fehlende Zähne ersetzt werden müssen, allerdings nur bei Erwachsenen.

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