Zahnrettung der radikalen Art

Zahnrettung der radikalen Art

Die Wurzelkanalbehandlung dient dem Erhalt stark geschädigter Zähne

(dbp/mhk) Schmerzhafte Entzündungen im Zahninneren waren früher oft das Todesurteil für den Zahn – er musste gezogen werden. Die moderne Endodontologie (Lehre vom Zahninneren) ermöglicht mit der Wurzelbehandlung den Erhalt auch stark geschädigter Zähne.

Weit fortgeschrittene Karies, eine Unfallverletzung (Trauma), Längsfrakturen (nicht selten bei Patienten über 80 Jahren), aber auch thermische oder chemische Reize, z. B. nach einer ausgedehnten Restauration, sind die Hauptursachen für eine Entzündung des von Blutgefäßen und Nervenfasern durchzogenen Zahnmarks (Pulpa). Sie kann nicht nur äußerst schmerzhaft sein, sondern auch auf den Kieferknochen übergehen.

Meist schmerzfrei und in wenigen Sitzungen

Bei der Wurzelbehandlung wird das entzündete Gewebe in der Pulpakammer entfernt, die Wurzelkanäle werden gereinigt und der Zahn kann auch längerfristig erhalten werden. „Dank modernster Anästhesie- und Behandlungstechniken ist dies meist schmerzfrei“, erklärt Dr. Christian Gernhardt von der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Universität Halle-Wittenberg. Im günstigsten Fall genügt eine Sitzung, in der Regel sind aber mindestens zwei Termine erforderlich.

Dr. Gernhardt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET), erläutert den Ablauf der Behandlung. Der Zahn wird zunächst mit optischen Vergrößerungshilfen und hochflexiblen Instrumenten unter Einsatz spezieller Motoren aufgebohrt, um Karies zu entfernen und in Pulpakammer und Wurzelkanäle zu gelangen. Dort werden nun alle Gewebereste und Keime entfernt. Die feinen Kanäle werden zuvor durch Röntgenbilder oder elektrometrische Messverfahren genau vermessen, mit kleinen Feilen erweitert, gereinigt, desinfiziert und anschließend bakteriendicht verschlossen. Je nach Umfang der vorausgegangenen Schädigung wird der Zahn mit Füllung oder Krone restauriert.

Problem: alle Wurzelkanäle finden

„Die Wahrscheinlichkeit, dass der behandelte Zahn noch lange in der Mundhöhle verbleiben kann, ist sehr hoch“, so Privatdozent Gernhardt. „Die Prognose hängt in erster Linie vom Zerstörungsgrad des gesamten Zahnes, dem Ausmaß der Entzündung und der Dauer ihres Bestehens ab. Schwierigkeiten bestehen lediglich darin, dass nicht alle Kanäle eines Zahnes gefunden werden oder sie sich nicht vollständig säubern lassen“, so der Experte. Unter Umständen sind weiterführende Behandlungen notwendig.

Eine Wurzelbehandlung lohnt sich laut Gernhardt immer, denn die Alternative lautet Zahn ziehen und Zahnersatz. Die Lücke müsste dann aufwendig und kostspielig mit Brücke oder Implantat rekonstruiert werden. Seiner Ansicht nach sollten die eigenen Zähne möglichst lange erhalten bleiben, die Option Implantat bleibe für die Zukunft immer noch bestehen.