Zähne unter Hochdruck

Bruxismus-Patienten können nach dem abendlichen Zähneputzen eine Aufbissschiene verwenden, um während der Nacht das Gebiss vor unbewusstem Zähneknirschen zu schützen. (Foto: Fotolia / grafikplusfoto)
Bruxismus-Patienten können nach dem abendlichen Zähneputzen eine Aufbissschiene verwenden, um während der Nacht das Gebiss vor unbewusstem Zähneknirschen zu schützen. (Foto: Fotolia / grafikplusfoto)

Häufig ist Stress die Ursache für das unkontrollierte Reiben und Pressen.

(dbp/wgt) Jeder Fünfte kennt die Symptome aus eigener Erfahrung. Nach dem Aufwachen schmerzen Kiefer, Gesicht und Kopf, die Kauflächen der Zähne weisen irgendwann deutliche Abriebspuren auf und die Zahnhälse reagieren überempfindlich auf Heißes und Kaltes. Oftmals rätseln die Betroffenen über die Ursachen ihrer Beschwerden. Denn das, was sie Kiefer und Zähnen antun, passiert meistens während der Nacht. Reibend und mahlend pressen sie die Zähne im Schlaf so heftig aufeinander, dass die Folgen nicht lange ausbleiben.

Beim Knirschen wirken enorme Kräfte

Bruxismus nennen Zahnmediziner das unkontrollierte Zähneknirschen, bei dem enorme Kräfte wirken. Etwa das Zehnfache des normalen Kaudrucks lastet bei den nächtlichen Aktivitäten auf Gebiss, Kiefergelenk und Kieferknochen, erläutert Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Als wesentliche Ursache für das unbewusste Reiben und Pressen gilt unbewältigter Stress. Auch Angstzustände und Depressionen spielen wohl eine Rolle.

In den vergangenen Jahren haben Zahnärzte einen Anstieg bei der Zahl der Knirscher beobachtet. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, aber auch viele Kinder leiden bereits darunter, wie aus einer Umfrage der Bundeszahnärztekammer unter 1600 Zahnärzten hervorgeht. Doch nicht immer sind psychische Belastungen die Auslöser. In Frage kommen auch Störungen beim Zusammenbiss von Ober- und Unterkiefer, Zahnfehlstellungen, schlecht sitzende Kronen und Zahnfüllungen oder Haltungsstörungen der Halswirbelsäule. Und nicht zuletzt stehen Alkoholkonsum, übermäßiger Kaffeegenuss und Rauchen sowie bestimmte Medikamente im Verdacht, das Zähneknirschen auszulösen.

Treten die Belastungen nur nachts auf, sprechen Experten von Schlafbruxismus. Bei manchen der Betroffenen ist die Anspannung aber so groß, dass sie sogar tagsüber die Zähne aufeinander reiben und pressen. Dann ist von Wachbruxismus die Rede, der auch bewusst wahrgenommen werden kann.

Aufbissschiene und Stressbewältigung helfen

In der Regel schafft erst ein Besuch beim Zahnarzt Klarheit. Am Abrieb der Backenzähne und an den Schäden an den Zahnoberflächen erkennt er, ob sein Patient ein Knirscher ist. Auch eine Vergrößerung der Kaumuskulatur legt den Verdacht nahe. Eine Aufbissschiene aus Kunststoff kann einer weiteren Schädigung der Zähne vorbeugen und für eine Entspannung des Kiefers sorgen. Die eigentlichen Ursachen sind damit meist aber noch nicht beseitigt.

„Sofern der Patient starke Stressphänomene zeigt, sind stressabbauende und stressbewältigende Verfahren in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit ärztlichen Kollegen notwendig“, betont Professor Oesterreich. Zur Behandlung der Stressbelastungen kommen neben der Psychotherapie in erster Linie Entspannungstechniken, Übungen zur Körperwahrnehmung und Schmerzbewältigungsstrategien in Betracht. Zur Behandlung der verspannten Muskulatur eignet sich die Physiotherapie.