Yin und Yang wieder in Balance bringen

Die Pulsdiagnostik gehört zum festen Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin. (F. Schmidt / Fotolia)
Die Pulsdiagnostik gehört zum festen Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin. (F. Schmidt / Fotolia)

So werden Wechseljahresbeschwerden in der chinesischen Medizin behandelt.

(dbp/auh) Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) basiert auf einer Philosophie, die sich von der „westlichen“ Weltanschauung grundsätzlich unterscheidet. Das Fundament für die chinesische Medizin ist die Theorie vom universellen Prinzip des Yin und Yang. Krankheiten, Schmerzen und andere Beschwerden sind laut TCM auf ein gestörtes Yin-Yang-Gleichgewicht zurückzuführen. Jede Therapie hat folglich zum Ziel, Yin und Yang wieder in Balance zu bringen. Die hierzulande bekannteste Behandlungsform der TCM ist die Akupunktur. Sie ist aber nur eine von fünf Säulen der TCM-Behandlung. Die anderen Säulen bilden die Fünf-Elemente-Ernährungslehre, die Bewegungslehre (dazu gehören Qi Gong und Tai Chi), die manuelle Therapie (zum Beispiel Tuina und Guasha) und die chinesische Arzneimitteltherapie.

Wichtig: Arzneimitteltherapie

„Die chinesische Arzneimitteltherapie macht in der traditionellen Behandlung etwa 80 Prozent aus“, erläutert Dr. med. Andrea Heusinkveld. Die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe behandelt Frauen, Männer und Kinder ausschließlich nach den Grundsätzen der chinesischen Medizin. Schon die Diagnostik wirkt auf Unkundige befremdlich. Denn neben einer ausführlichen Anamnese gehört die Puls- und die Zungendiagnostik zum Standard.

Am Beispiel Wechseljahresbeschwerden erläutert die Ärztin den Behandlungsablauf. „Aus Sicht der TCM sind Symptome wie Hitzewallungen, Schwitzen und Hitzesensationen der fünf Flächen (Brustbein, beide Handflächen, beide Fußsohlen), innere Unruhe und Schlafstörungen Zeichen des Ungleichgewichts von Yin und Yang“, erläutert die Expertin. Oft stecke dahinter ein Mangelzustand: „Die empfundene Hitze ist eine Mangel- oder Paradoxe-Hitze.“ Das Yang (die Wärme) könne auf Grund der Schwäche nicht mehr unten im Körper gehalten werden und gehe letztendlich nach oben und außen verloren.

Idealzustand ist ein Kreislauf

Am Bild eines Kochtopfes mit Wasser verdeutlicht Dr. Heusinkveld den Idealzustand: „Das erhitzte Wasser steigt nach oben und verdampft. Dieser Wasserdampf kondensiert am Topfdeckel und die Tropfen fallen nach unten. So entsteht ein Kreislauf. Der Wasserdampf bindet das Yang, das dabei ist, unkontrolliert verloren zu gehen, und führt es schließlich gebunden wieder zurück nach unten.“ Funktioniere dieses System nicht, gehe das Yang nach oben und außen verloren; zugleich entstehe unten in der Tiefe zunehmend Kälte (Yin).

Ziel der chinesischen Kräutertherapie sei, das schwebende Yang fest zu halten, nach unten zu holen und im tiefsten Yin zu verankern. Zur Anwendung kommen individuell verschiedene Rezepte nach traditionellen Vorgaben. Die meisten Kräuter sind pflanzlicher, wenige mineralischer und seltener tierischer Herkunft. „Bei den Pflanzen unterscheiden wir zwischen Wurzeln, Rinde, Äste, Stängel, Ranken, Blätter und Blüten. Deren Wirkung von ein und derselben Pflanze ist unterschiedlich.“ Eine Rezeptur enthalte mindestens zwei, oft mehr als 18 Einzelbestandteile.

Die Rezepturen können in Form von Dekokten (Abkochungen), Granulaten, Tabletten, Pulvern oder hydrophilen Konzentraten verabreicht werden. Zumeist handelt es sich um eine Therapie von innen, im Einzelfall kommen die Rezepturen aber in entsprechender Zubereitung auch äußerlich zur Anwendung. Die Behandlungsdauer ist individuell verschieden und hat zum Ziel, die körpereigenen Funktionen zu aktivieren, also Yin und Yang wieder in Einklang zu bringen.

Eine Kommentar schreiben

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht! Erforderliche Felder sind mit einem * gekennzeichnet.

Sie können folgende HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>