Wohlige Entspannung statt Zahnarztangst

Über die Nasenmaske erhält die Patientin zunächst reinen Sauerstoff, das Lachgas wird langsam in steigender Dosierung hinzugegeben. (Foto: Institut für dentale Sedierung)
Über die Nasenmaske erhält die Patientin zunächst reinen Sauerstoff, das Lachgas wird langsam in steigender Dosierung hinzugegeben. (Foto: Institut für dentale Sedierung)

Die Lachgas-Sedierung eignet sich für große und kleine Angstpatienten.

(dbp/auh) Angst vor dem Zahnarzt? Da können viele nur lachen. Aber für immerhin fünf bis zehn Prozent der Deutschen ist die Angst so groß, dass sie gar nicht hingehen. Und je länger sie mit dem Kontrollbesuch warten, desto größer wird ihre Angst. Aus dem Teufelskreis gibt es nur einen Ausweg: Ab zum Zahnarzt!

Für Angstpatienten wie geschaffen ist die Lachgas-Sedierung beim Zahnarzt. Auch für ängstliche Kinder ab vier bis sechs Jahren, für Menschen mit einer leichten geistigen Behinderung oder mit einem unkontrollierbaren Würgereiz ist die Behandlung mit Lachgas gut geeignet, so Dr. Jacqueline Esch vom Bundesverband der Kinderzahnärzte.

Sehr ängstliche Kinder profitieren besonders von dieser Methode. Eine niederländische Studie ergab bereits vor 20 Jahren, dass Kinder, die mehrere Sitzungen mit Lachgas hinter sich hatten, später deutlich weniger ängstlich waren, wenn sie ohne diese Unterstützung behandelt wurden.

Kooperationsbereitschaft nötig

Nicht mit Lachgas sediert werden können extrem unkooperative Patienten, ganz kleine Kinder und Menschen mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen. Denn sie müssen begreifen und sich danach richten können, dass sie während der Behandlung ausschließlich durch die Nase atmen und nicht reden dürfen.

Bei der Lachgas-Sedierung wird dem Patienten über eine Nasenmaske zunächst reiner Sauerstoff gegeben, der peu à peu mit Lachgas gemischt wird, bis die gewünschte Dosierung erreicht ist. Über eine Klammer am Zeigefinger werden Puls und Sauerstoffgehalt im Blut gemessen. Die Wirkung setzt nach wenigen Atemzügen ein. Laut Dr. Esch beschreiben die Patienten ein Gefühl der Leichtigkeit und Entspannung.

Geborgenheit im Zahnarztstuhl

Sie fühlen sich „geborgen und entkoppelt“, so formuliert es Dr. Frank G. Mathers. Der Kölner Facharzt für Anästhesiologie bietet Fortbildungen für dentale Sedierung an und ist überzeugt von den Vorteilen der Lachgas-Behandlung. Seiner Meinung nach ist Distickstoffmonoxid (N2O, die chemische Bezeichnung von Lachgas) „das am besten steuerbare, heute zugelassene Beruhigungsmittel“ und eines der sichersten Arzneimittel.

„Bei welchem Prozentsatz das Wohlgefühl einsetzt, ist von Patient zu Patient unterschiedlich“, erklärt Dr. Mathers. Wenn der gewünschte Grad der Sedierung erreicht ist, kann die Spritze mit dem lokalen Betäubungsmittel gesetzt werden. Denn auch eine eventuell vorhandene Angst vor Spritzen wird in der Regel vom Lachgas spürbar gedämpft. Ein weiterer Vorteil: Weil die Patienten die ganze Zeit bei Bewusstsein sind, können sie dem Zahnarzt während der Behandlung Feedback geben.

Nach dem Ende der Zahnbehandlung bekommt der Patient über die Nasenmaske wieder reinen Sauerstoff, das Lachgas wird komplett abgeatmet. Es gibt keine Nachwirkung, weil Aufnahme und Ausleitung nur über die Lunge erfolgen und Lachgas nicht in den Stoffwechsel eintritt. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nicht an den Kosten für eine Lachgasbehandlung, die etwa 80 bis 150 Euro betragen.

Autor:

Ähnliche Beiträge

Weiterführende Links

Beitrags-ID:
4949498
Kategorie(n):
Quellenangaben:
Informationen der Deutschen Gesellschaft für dentale Sedierung e. V. (DGfdS), www.dgfds.de; Jesko Gärtner: „Lachgassedierung in der modernen Kinderzahnheilkunde“, in: ZMK, 23.12.2013, zit. n.: www.zmk-aktuell.de/dentalforum/allgemeine-zahnmedizin/story/lachgassedierung-in-der-modernen-kinderzahnheilkunde.html; die niederländische Studie: Veerkamp JS et al: „Anxiety reduction with nitrous oxide: a permanent solution?“, in: ASDC J Dent Child. 1995 Jan-Feb;62(1):44-8; PM des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte vom 02.04.2013: „Kinderzahnärzte werben für Lachgas-Sedierung. Inhalieren gegen die Angst“; Matthias Schmidt: „Zahnbehandlungsangst“, Diss an der Uni Bonn, 2007, zit. n.: http://hss.ulb.uni-bonn.de/2007/1227/1227.pdf; abgerufen im September 2015