Wohlige Dämpfe und heilende Wärme

Ein Dampfbad nehmen heißt: im wohlig warmen, seidenweichen Nebel sitzen und entspannen. (Foto: Kzenon / Fotolia)
Ein Dampfbad nehmen heißt: im wohlig warmen, seidenweichen Nebel sitzen und entspannen. (Foto: Kzenon / Fotolia)

Ein Dampfbad ist auch für empfindliche Menschen gut verträglich

(dbp/mhk) Wohliges Schwitzen im seidenweichen Wasserdampf, das wusste schon die Upperclass im Alten Rom zu schätzen. Im römischen Caldarium herrschen Temperaturen um 50 Grad bei etwa 60 bis 70 Prozent Luftfeuchte. Im modernen Dampfbad liegt die Temperatur zwischen 40 und 55 Grad, bei annähernd hundert Prozent Luftfeuchtigkeit.

Viele Menschen empfinden das Dampfbad wegen der niedrigeren Temperaturen als weniger belastend im Vergleich zur trockenen Hitze in der Sauna. Im Nebelbad, wie es auch genannt wird, legt sich ein schützender Feuchtigkeitsfilm auf die Haut, der das Abfließen des Schweißes verhindert. Die Körpertemperatur steigt daher schneller an als bei trockener Luft.

Gut für Muskeln und Gelenke

„Grundsätzlich ist das Dampfbad milder und für jeden gut verträglich“, sagt Dr. Arno Wenemoser, Präsident des Verbands Deutscher Badeärzte und Kurarzt in Bad Füssing. „Die feuchte Wärme wirkt auf Muskeln und Nerven entspannend, entschlackend und schmerzlindernd“, erklärt der Facharzt für Allgemeinmedizin, Balneologie und Naturheilverfahren. „Sie lockert angespannte und verkrampfte Muskulatur, reinigt die Haut durch das Öffnen der Poren, macht sie geschmeidig und weich“. Bei leichten rheumatischen Erkrankungen oder Gelenkschmerzen könne das Dampfbad daher positiv wirken.

Hilft bei Atemwegsproblemen

„Außerdem kann das tiefe Inhalieren des feinen Wasserdampfes einen therapeutischen Effekt bei Atemwegsproblemen haben“, fügt Dr. Wenemoser hinzu. Der Dampf wirkt schleimlösend und hilft bei Erkältungen, Husten, Heiserkeit, Heuschnupfen, Bronchitis und chronischen Entzündungen der Nasen-, Neben-, Kiefer- und Stirnhöhlen. In Kombination mit ätherischen Ölen, Kräutern oder Sole-Verneblung kann diese Wirkung verstärkt werden.

„Beruhigende Aromaöle sind zum Beispiel Rosmarin und Thymian, stimmungsaufhellend wirkt Lemongras, aphrodisierende Wirkungen werden Rose oder Sandelholz zu geschrieben. Bei Erkältungen hilft oft ein Kräuterdampfbad mit Schlüsselblume, Kamille oder Spitzwegerich“, erläutert der Badearzt. Auch das Herz-Kreislauf-System wird angeregt, das Gefäßsystem wird gefordert und die Herztätigkeit und Blutzirkulation werden beschleunigt.

Die ideale Aufenthaltsdauer im Dampfbad beträgt zunächst fünf bis sieben Minuten. „Danach kann man nach und nach auf eine Dauer von 10 bis 15 Minuten steigern“, so der Experte. Nach dem Schwitzen gilt das Gleiche wie für den Aufenthalt in trockener Sauna: Abkühlen und Ausruhen. Bei regelmäßiger Anwendung kann das Immunsystem gestärkt und der Stoffwechsel gefördert werden. Für Kreislauf und Konstitution und als Mittel gegen Wetterfühligkeit ist das Dampfbad optimal.

Kontraindikationen

Nicht geeignet sind Dampfbäder für Menschen mit Gefäßerkrankungen, erweiterten Blutgefäßen, bei offenen Wunden und fieberhaften Erkrankungen. Zudem sind Dampfbäder genau wie Saunagänge nur bei stabilem Kreislauf angeraten. Dr. Wenemoser rät vor Besuch des Dampfbades zu einer ärztlichen Kontrolle; insbesondere bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder nach einem Herzinfarkt, vor allem bei älteren Menschen. Bei Allergien sollte auf Zusätze wie Kräuter oder ätherische Öle verzichtet werden.

Bei den Teil-Dampfbädern, die auch im eigenen Badezimmer ein wenig Wellness zulassen, werden nur einzelne Körperpartien bedampft. Bei einem Gesichtsdampfbad beispielweise inhaliert man mit oder ohne bestimmte Kräuter und Pflanzen – am besten mit einem Handtuch über Kopf und Schüssel. Doch Vorsicht: Nicht jedes Dampfbad ist für jeden Hauttyp geeignet. Etwaige Kontraindikationen sollten stets mit einem Arzt abgeklärt werden. Für die Reinigung der Haut genügt ein Dampfbad auch ganz ohne Zusätze.