Wieder mehr Lebensqualität

Vor jeder Versorgung mit einer Endoprothese ist im Vorfeld eine seriöse Patientenaufklärung notwendig, bei der Arzt und Patient Nutzen und Risiken besprechen. (Foto: BVMed.de)
Vor jeder Versorgung mit einer Endoprothese ist im Vorfeld eine seriöse Patientenaufklärung notwendig, bei der Arzt und Patient Nutzen und Risiken besprechen. (Foto: BVMed.de)

Künstliche Gelenke erhöhen die Beweglichkeit.

(dbp/fru) In Deutschland leiden laut BVMed – Bundesverband Medizintechnologie e.V.  mehr als 9 Millionen Menschen unter ständigen Schmerzen durch Arthrose und Arthritis. Davon entscheiden sich nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten des Gelenkerhalts jährlich etwa 400.000 Menschen für ein künstliches Gelenk. Im Jahr 2014 wurden rund 217.000 künstliche Hüftgelenke sowie 153.000 künstliche Kniegelenke implantiert. Der Rest entfiel z. B. auf den Ersatz von Schultergelenken oder Ellenbogen. Die Gelenkersatzoperation gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten medizinischen Verfahren. Beispielsweise halten über 95 Prozent der Hüftimplantate länger als 10 Jahre und die Komplikationsrate ist mit unter zwei Prozent sehr gering.

Drei Kriterien ausschlaggebend für den Erfolg

Durch die moderne Endoprothetik können Schmerzen bei rund 70 Prozent der Patienten völlig behoben werden. Zudem wird durch Gelenkersatz die Beweglichkeit der Menschen wiederhergestellt, aber auch Arztbesuche sowie Folgeerkrankungen werden reduziert. Des Weiteren kann die Arbeitsfähigkeit dadurch länger erhalten bleiben. Damit der Gelenkersatz keine Beschwerden verursacht und möglichst lange hält, spielen drei Faktoren eine entscheidende Rolle: Zum einen das operative Vorgehen, zum anderen ein qualitativ hochwertiges Implantat und schließlich das Patientenverhalten.

Prof. Dr. Carsten Perka vom Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité weist auf die Notwendigkeit einer seriösen Patientenaufklärung im Vorfeld hin, die mit überzogenen Erwartungen und Illusionen der Patienten aufräume: „Eine Endoprothese, die ein Leben lang hält, wird es nicht geben“, sagt der Experte. Das gilt insbesondere für Implantationen im mittleren Alter. Hier steht nach einer gewissen Zeit in der Regel eine sogenannte Revisionsoperation an, bei der z. B. eine Frühlockerung in Folge von Infektionen behoben werden muss oder das Erstgelenk durch ein Zweitgelenk ersetzt wird.

„Gelenkprothesen sind keine gesunden Gelenke“

Patienten mit künstlichen Gelenken müssen einige Dinge im Alltag beachten. So können sie selbst aktiv dazu beitragen, dass der Gelenkersatz nicht frühzeitig ausgetauscht werden muss. Dr. Martin Quarz vom Median Reha­Zentrum Bernkastel-Kues hat 10 Hinweise für Prothesenträger zusammengestellt:

1.    Gelenkprothesen sind keine gesunden Gelenke. 2.    Alltagsverrichtungen einschließlich einiger Sportarten sind auch mit Gelenkersatz möglich. 3.    Menschen mit Hüftprothesen sollten extreme Hockstellungen meiden. 4.    Belastungsspitzen sollten dem operierten Körperteil nicht zugemutet werden. 5.    Heben und Tragen von Gegenständen über 20 kg sollten vermieden werden. 6.    Bei eitrigen Infekten (Hals­, Blasenentzündung) an Antibiotika denken. 7.    Der Prothesenpass sollte immer mitgeführt werden. 8.    Achtung bei Nässe oder Glätte! Stürze können zu komplizierten Brüchen führen. 9.    Bei unklaren Schmerzen die Prothese auf Lockerung durch den Orthopäden prüfen lassen. 10.  Regelmäßige Kontrollen durch die operierende Klinik einhalten.

Zu wenig Bewegung kann genauso zum vorzeitigen Auslockern der Prothese führen, wie zu viel, erklärt Dr. Quarz. Patienten, die bereits einen Prothesenwechsel oder gar eine Infektion hinter sich haben, empfiehlt der Sportmediziner jedoch mit Ausnahme von Wandern keinen Sport zu treiben.

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