Wieder im Takt

Ein Schrittmacher sendet elektrische Impulse an das Herz, damit es wieder in der richtigen Frequenz schlägt. (Foto: picsfive / Fotolia)
Ein Schrittmacher sendet elektrische Impulse an das Herz, damit es wieder in der richtigen Frequenz schlägt. (Foto: picsfive / Fotolia)

Der Schrittmacher hilft, wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät.

(dbp/wgt) Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt trug den kleinen Taktgeber mehr als 30 Jahre in der Brust. Elton John ist darauf angewiesen und auch der ehemalige James-Bond-Darsteller Roger Moore. Doch allenfalls wegen seiner prominenten Träger sorgt der Herzschrittmacher heute noch für Schlagzeilen. Denn längst gehört die Versorgung mit den oft lebensrettenden Geräten zum medizinischen Alltag. 2013 wurden allein in Deutschland nach Angaben des Deutschen Herzschrittmacherregisters knapp 75.600 Geräte implantiert.

Den ersten Schrittmacher erhielt der Schwede Arne Larrson 1958. Inzwischen vertrauen Millionen Menschen weltweit auf den künstlichen Impulsgeber, wenn ihr Herz aus dem Rhythmus gerät. „Ein Schrittmacher ist insbesondere angezeigt, wenn die Herzfrequenz längere Zeit unter 40 Schläge pro Minute absinkt (Bradykardie) oder Pausen über drei Sekunden (Asystolie) auftreten“, erläutert Professor Andreas Schubert, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin des Friedrich-Ebert-Krankenhauses in Neumünster. Dann leiden die Betroffenen unter Müdigkeit, Atemnot, Schwindel bis hin zur Ohnmacht. Im schlimmsten Fall droht die Gefahr eines plötzlichen Herztodes oder eines Schlaganfalls.

Kleiner als eine Streichholzschachtel

Um dem zuvorzukommen, registriert der Schrittmacher den Herzrhythmus. Dazu ist er über dünne Drähte mit Elektroden verbunden, die direkt im Herz sitzen. Treten Unregelmäßigkeiten auf, sendet der Schrittmacher elektrische Impulse und regt den Herzmuskel an, wieder in der richtigen Frequenz zu schlagen. Das mit einer Batterie ausgestattete Gerät ist nicht größer als eine Streichholzschachtel. Unter lokaler Betäubung wird es unterhalb des linken oder rechten Schlüsselbeins ins Unterhautgewebe eingesetzt. Die Elektroden werden dann durch eine Vene ins Herz geschoben.

Seit den Anfängen der Herzschrittmachertherapie sind die Geräte nicht nur stetig kleiner, sondern auch immer leistungsstärker geworden. Moderne Schrittmacher gibt es in verschiedenen Varianten. Der Einkammerschrittmacher besitzt nur eine Elektrode, die entweder in den rechten Vorhof oder in die rechte Herzkammer führt. Dagegen ist der Zweikammerschrittmacher mit zwei Elektroden ausgestattet, von denen eine in den Vorhof und die andere in die rechte Herzkammer führt. So lässt sich das Zusammenspiel zwischen Vorhof und Herzkammer wiederherstellen. Mit dem Dreikammerschrittmacher kann über eine weitere Elektrode auch die linke Herzkammer stimuliert werden. Welche der drei Varianten zum Einsatz kommt, hängt von der Art der Herzrhythmusstörung ab.

Herzfrequenz wird individuell angepasst

Die einzelnen Schrittmachertypen lassen sich auch mit einem Sensor ausrüsten, der in der Lage ist, die Herzfrequenz individuell an die jeweilige körperliche Belastung anzupassen. Bei den regelmäßig notwendigen Kontrolluntersuchungen kann der Kardiologe die vom Schrittmacher gesammelten Daten auslesen, die Funktionsfähigkeit der Elektroden prüfen und den Ladestand der Batterien testen. Die haben eine Lebensdauer von acht bis zwölf Jahren. Sind die Batterien leer, muss das Gerät ausgetauscht werden. Wem das Sorgen bereitet, der dürfte sich über die jüngsten Entwicklungen freuen. Künftig soll es möglich sein, die Batterien per Induktion durch die Haut aufzuladen.