Wie Tiere zu Therapeuten werden

Bei emotionalen Störungen können Katzen therapeutisch zum Einsatz kommen. (Foto: Eva Mill / Fotolia)
Bei emotionalen Störungen können Katzen therapeutisch zum Einsatz kommen. (Foto: Eva Mill / Fotolia)

Die Tiergestützte Therapie (TGT) mit Hund oder Katze hilft bei psychosozialen Störungen

(dbp/pay) Hund, Katze und Pferd – sie fördern die Gesundheit, spenden Trost und helfen gegen Vereinsamung. Therapien mit Tieren – insbesondere mit Pferden, Delfinen oder Hunden werden immer häufiger für Kinder- und Jugendliche sowie alte Menschen angeboten. Wie wirkt ein Tier in einer Therapie?

Bei der Tiergestützten Therapie (TGT) werden Tiere eingesetzt, die ebenso wie der Mensch eine soziale Lebensweise haben, wie etwa der Hund, das Kaninchen, die Katze oder das Pferd. Der Einsatz hängt von der Erkrankung des Patienten ab. So werden Katzen beispielsweise in psychotherapeutischer Behandlung eingesetzt, weil sie durch ihre Anwesenheit in der Therapie dazu beitragen, dass sich Patienten schneller öffnen.

Einbindung in professionelle Therapie

„Durch ein Tier in der Therapie fühlen sie sich wesentlich entspannter und empfinden keine Bedrohung“, erklärt Dr. Anke Prothmann, Ärztin an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der TU München. Die Ärztin forscht im Bereich der TGT. „Tiere sind friedfertig und gesellig, das wirkt sich auf den Patienten aus.“ Aber Dr. Prothmann weist auch darauf hin, dass der Patient vorrangig von einem Ergotherapeuten, einem Physiotherapeuten, einem Psychologen oder einem Arzt behandelt werden muss und in dieser Therapie kommt das Tier dann zum Einsatz. Es sei wichtig, dass der Behandelnde eine Grundausbildung und die Tiertherapie als Zusatzausbildung habe. In der Regel dauert eine Sitzung 45 Minuten. Doch die Länge hänge vom Patienten und vom Tier ab, erklärt die Ärztin.

„Tiere bewirken allgemeine Erfolge für die Therapie. Außer bei der Hippotherapie, wo das Tier gezielt eingesetzt wird, um Bewegungs- oder Gleichgewichtsstörungen zu behandeln“, sagt Prothmann. Die Ärztin nennt eine Vielzahl von Studien, in denen aufgezeigt wird, wie Tiere helfen. So habe man herausgefunden, dass Interaktion zwischen Hund und einem autistischen Menschen, die große Schwierigkeiten haben soziale Kontakte aufzunehmen, besser funktioniert als mit einem Menschen.

Vorsicht bei Immunschwäche und Allergien

Die TGT kann bei vielen Erkrankungen eingesetzt werden: Behandlung nach einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt, bei Depressionen, Schizophrenie, Autismus oder aber bei neurologischen und orthopädischen Krankheiten. Jedoch sei vom Einsatz der Tiere bei immunschwachen oder allergischen Patienten abzuraten.

Die TGT fördere den Behandlungserfolg und trage dazu bei, dass Patienten schneller Vertrauen aufbauen. „Soziale Kontakte haben starken Einfluss auf die Hormone. Wenn jemand einen Hund streichelt, wird das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet und das Stresshormon Kortisol gehemmt. So wie bei einer frischgebackenen Mutter, die ihr Neugeborenes auf dem Arm hält“, erklärt die Ärztin. Bereits in den 70er Jahren habe man in einer Studie festgestellt, dass Herzinfarkt-Patienten mit einem Haustier ein Jahr nach ihrer Entlassung aus der Klinik eine höhere Überlebenschance aufwiesen als Patienten ohne Tier.

Die Kosten einer TGT sind unterschiedlich und werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Eine Therapie mit einem Hund sei nicht so teuer wie die Hippotherapie. „Das liegt daran, dass die Haltungskosten eines Pferdes höher sind als die eines Hundes.“ Bei der Delfintherapie weist Prothmann daraufhin, dass die Haltungsbedingung der Tiere kritisch betrachtet werden sollte. Delfine seien nun mal Wildtiere.