Wie kommt das Dioxin ins Ei?

Kein Lebensmittel ist heutzutage frei von Schadstoffen – auch Eier leider nicht. (Foto: Bilderbox)
Kein Lebensmittel ist heutzutage frei von Schadstoffen – auch Eier leider nicht. (Foto: Bilderbox)

Überall in der Umwelt sind Dioxine, die Bauern können nichts dagegen tun

(dbp/auh) Eier sind nicht nur zu Ostern in aller Munde. Erst kürzlich fanden Kontrolleure Eier mit Bio-Stempel, die aus konventioneller Legehennenhaltung kamen. Das ist Betrug. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt deswegen gegen rund 150 Erzeugerbetriebe in Niedersachsen, laut Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bahne sich damit „einer der größten Kriminalfälle der deutschen Agrarwirtschaft“ an.

Wenn „echte“ Bioeier wegen einer erhöhten Belastung mit potenziell gesundheitsschädlichen Stoffen in die Schlagzeilen geraten, stecken meist keine kriminellen Machenschaften dahinter. Dioxine und/oder Polychlorierte Biphenyle (PCB) in grenzwertüberschreitenden Mengen werden immer wieder in Eiern gefunden. Kurz vor Ostern 2012 mussten ein Biobetrieb in Ostwestfalen und ein benachbarter konventioneller Geflügelhof deswegen gesperrt werden.

Dioxin steckt auch im Regenwurm

Wie kommen diese Schadstoffe ausgerechnet ins Bioei? Das wollte auch das Magazin „Printzip“ aus Haunetal in Osthessen wissen und fragte in seiner April-Ausgabe 2012 den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer. Der erklärte, dass in „ordnungsgemäß erzeugten Bio-Eiern“ normalerweise erhöhte Schadstoffe stecken. „Einfach aus dem Grunde, weil man das Futter der Bio-Tiere nicht in dem Maße kontrollieren kann, weil die sich ihr Futter auch draußen suchen. Freilandhennen fressen Regenwürmer und Schwupps haben sie Höchstmengenüberschreitungen. Und schon ist ‚Bio‘ belastet.“

Also steckt das Gift in den Böden? Genau. Dioxin ist in der Umwelt überall anzutreffen, es wird in allen Industriestaaten in der Luft, im Wasser und im Boden sowie auch in Lebensmitteln gefunden – an Pflanzen, in Tieren und im Menschen. 1951 wurde erstmals Dioxin in der Muttermilch nachgewiesen. „Nicht weiter verwunderlich“, schrieb das Deutsche Ärzteblatt (22.12.2008), denn Dioxine reichern sich im Fettgewebe an und sind deshalb auch in der fett- und nährstoffreichen Muttermilch vorhanden. Stillen sei aber dennoch viel gesünder als Babynahrung.

Nebenprodukt der Müllverbrennung

Der Verein „foodwatch“ erklärt, wie Dioxine und PCB in die Umwelt gelangen: „Während Dioxine als unerwünschtes Nebenprodukt bei der Verbrennung chlorhaltiger Stoffgemische entstehen, wurden PCB seit 1929 industriell hergestellt und beispielsweise in Lacken und Farben verwendet.“

Dioxine entstehen nicht nur bei der Müllverbrennung, sondern auch bei Herstellung von Chemikalien, Pestiziden, Stahl und Anstrichfarben, beim Bleichen von Zellstoff und Papier und sogar bei Vulkanausbrüchen und Waldbränden. „Natürlicherweise“, so eine Information der Europäischen Kommission, lagern sich Dioxine im Boden ab. Von da gelangt das Gift dann über Anhaftungen an Gemüse- und Futterpflanzen – oder wie im Fall der freilaufenden Hühner auch mal über Regenwürmer – in Tiere und Menschen. Laut EU-Kommission kann das Ausbringen von Klärschlamm auf Pflanzen die „Exposition von Nutzvieh erhöhen“.

Viel kann der Bauer aber nicht machen, um seine Produkte zu schützen. Völlig Dioxinfreie Lebensmittel gibt es in den Industrieländern nicht. „Schuld“ ist der viele Jahrzehnte zurückliegende bedenkenlose Umgang mit Giftstoffen und umweltschädlichen Produktionsprozessen. Laut Umweltbundesamt ist der „Neueintrag von Dioxinen in die Umwelt“ seit 1990 erheblich gesunken. Das Problem ist die Langlebigkeit der vorhandenen Dioxine, die weltweit verbreitet sind und sich nur sehr langsam abbauen.