Wie das Hirn die Augen steuert

Gehirnzellen, die sowohl die Geschwindigkeit der Landschaft als auch die der Augenbewegung kodieren, stellen sicher, dass wir eine vorbeiziehende Landschaft scharf erkennen können (Foto: Mareike Kardinal/Bernstein Koordinationsstelle)
Gehirnzellen, die sowohl die Geschwindigkeit der Landschaft als auch die der Augenbewegung kodieren, stellen sicher, dass wir eine vorbeiziehende Landschaft scharf erkennen können (Foto: Mareike Kardinal/Bernstein Koordinationsstelle)

(dbp/cwr) Haben Sie schon einmal versucht, während einer Zugfahrt aus dem Fenster zu schauen und dabei die Augen still zu halten? Keine Chance.

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilian-Universität München haben jetzt herausgefunden, warum das so ist. Verantwortlich dafür sind bestimmte Gehirnzellen. Sie passen die Bewegung der Augen an die Umgebungsgeschwindigkeit an. Deswegen können wir eine vorbeiziehende Landschaft scharf sehen.

Könnten wir unsere Augen einfach still halten, würde das vorbeiziehende Bild verschwimmen. Um das zu verhindern, müssen die Augen mit vielen kurzen Bewegungen der Umgebung folgen. Zusammen mit Kollegen aus dem Washington National Primate Research Center der University of Washington in Seattle haben die Münchner Forscher entdeckt, dass Nervenzellen im hinteren Scheitellappen des Gehirns dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Reize aus der Landschaft in ein Steuersignal für die Augenmuskulatur umzuwandeln.

Im Wesentlichen sind drei Bereiche des Gehirns damit beschäftigt, den Augenfolgereflex zu regeln. Zuerst wird auf der Netzhaut die Geschwindigkeit des vorbeiziehenden Bildes ermittelt. Aus dieser Information wird dann die Eigenbewegung des Auges herausgerechnet – Ergebnis: man erhält die reine Umgebungsgeschwindigkeit. Im letzten Schritt wird die Augenmuskulatur entsprechend gesteuert, durch eben die Nervenzellen im hinteren Scheitellappen. Das geschieht gänzlich unbewusst und wir können eine vorbeiziehende Landschaft scharf erkennen.