Wenn unruhige Beine den Schlaf rauben

Dass die Beine beim Einschlafen unwillkürlich zucken, ist ganz normal. Beim „Restless-Legs-Syndrom“ sind die Beschwerden deutlich belastender. (Foto: Africa Studio / Fotolia)
Dass die Beine beim Einschlafen unwillkürlich zucken, ist ganz normal. Beim „Restless-Legs-Syndrom“ sind die Beschwerden deutlich belastender. (Foto: Africa Studio / Fotolia)

Das „Restless-Legs-Syndrom“ kann in schweren Fällen das Schlafen unmöglich machen

(dbp/auh) Das „Restless-Legs-Syndrom“ (RLS), auf Deutsch „Syndrom der ruhelosen Beine“, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Seine Bezeichnung klingt verglichen mit dem tatsächlichen Beschwerdebild der meisten Patienten eher verharmlosend. Denn der Bewegungsdrang der Beine (manchmal auch der Arme) ist in der Regel verbunden mit unterschiedlichen, extrem quälenden Empfindungen tief im Inneren der Beine. „Oft haben Patienten Probleme, diese Missempfindungen zu beschreiben“, teilt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit. Auch die Patientenvertretung Deutsche Restless-Legs-Vereinigung weiß, dass es für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist, welches Leiden sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt.

Symptome schwer zu beschreiben

Versuche, die Symptomatik zu beschreiben, klingen so: Ziehen, Stechen, Kribbeln, das Gefühl von Ameisen unter der Haut, ein Reißen oder krampfartige Schmerzen. Da die Beschwerden immer dann auftreten, wenn der Patient zur Ruhe kommt, vorzugsweise beim Einschlafen, ist erholsamer Schaf nicht möglich. „Durch den ständigen Schlafmangel fühlt sich der Betroffene immer müde und zermürbt und kann somit zu einer körperlichen und seelischen Erschöpfung führen“, beschreibt die RLS-Vereinigung.

In den Leitlinien der DGN zum RLS heißt es, dass „schwer betroffene“ Patienten grundsätzlich Situationen vermeiden, die langes Sitzen erfordern, zum Beispiel Kino- oder Theaterbesuche, Flug- und Busreisen. „Bei sehr ausgeprägten Symptomen wird ruhiges Sitzen, Liegen oder Schlafen fast unmöglich“, so die DGN.

Verwechslung mit CFS oder ADHS

Nicht bei allen Patienten sind die Beschwerden so eindeutig. Die nächtlichen Zuckungen der Beine verursachen manchmal nur kurze Aufwachphasen. „Betroffenen ist die Ursache ihres Erwachens oft nicht bewusst, doch leiden sie in der Folge unter verstärkter Tagemüdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). Symptome wie Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen oder Vergesslichkeit können dann laut Dr. Beil zu Fehldiagnosen führen, etwa zu Verwechslungen mit einer Depression oder mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, CFS). Bei Kindern wird oft statt RLS eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität (ADHS) angenommen.

Therapie mit Dopamin

Die Ursache für das RLS ist noch nicht bekannt. Dass es sich um eine neurologische Störung handeln muss, schließt man daraus, dass die Patienten auf eine medikamentöse Behandlung mit Dopaminpräparaten ansprechen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der im Gehirn die Signalübertragung ermöglicht.

„Bei Patienten mit leichten und gelegentlich auftretenden Beschwerden können Dopamin-Vorstufen hilfreich sein, die bedarfsgerecht eingenommen werden können. Bei ausgeprägten, täglichen Beschwerden können Dopaminagonisten eingesetzt werden, die im Organismus ähnliche Effekte ausüben wie der körpereigene Botenstoff Dopamin und längerfristig eingenommen werden können“, rät Dr. Beil. Vorteilhaft sei es darüber hinaus, selbst auszuprobieren, welche nicht-medikamentösen Maßnahmen Linderung verschaffen. Ungeeignet seien allerdings Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training, da sie die Beschwerden verstärken können.

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