Wenn sonst nichts hilft

In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl von Wirbelsäulenoperationen verfünffacht. (Foto: flairiamges / Fotolia)
In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl von Wirbelsäulenoperationen verfünffacht. (Foto: flairiamges / Fotolia)

Die Wirbelsäulenchirurgie ist für viele der letzte Ausweg aus der Schmerzfalle.

(dbp/fru) Eine Entscheidung für eine Operation sollte gut bedacht sein. Schließlich ist ein solcher invasiver Eingriff auch mit mehr Risiken verbunden, als bei konservativen Methoden zur Behandlung von Rückenschmerzen. Das Schwierige beim Thema Rückenleiden ist, dass jeder Rückenschmerz anders ist und verschiedene Ursachen für ein und dasselbe Symptom infrage kommen. Deshalb spricht auch jeder Patient individuell auf Therapien an und man kann nicht genau vorhersagen, was bei wem hilft. Bei dem einen kann schon eine Stärkung  der Rücken- und Bauchmuskulatur helfen, beim nächsten die Rückenakupunktur und beim Dritten wiederum eine Wärmebehandlung, um die Ursachen zu bekämpfen.

Auf jeden Fall sollte man zwei bis drei Monate abwarten und zunächst die konservativen Maßnahmen ausschöpfen, bevor man sich leichtfertig unters Messer legt. Denn in 9 von 10 Fällen gleicht der Körper die Rückenschmerzen von selbst aus. Wenn nach etwa drei Monaten immer noch keine Besserung in Sicht ist, kann unter bestimmten Umständen auch eine Operation angeraten sein.

Manche Erkrankungen machen OP unumgänglich

Aber nicht jeder auffällige Befund – insbesondere nach bildgebenden Verfahren – sollte zum Anlass für eine OP genommen werden. „Zwei Drittel der per Kernspin erkennbaren Befunde sind eigentlich medizinisch ohne Bedeutung“, sagt Professor Dr. Joachim Grifka, ärztlicher Direktor des Orthopädischen Universitätsklinikums Bad Abbach. Denn Rückenuntersuchungen mit dem Kernspintomographen zeigten zwar vielfach Veränderungen am Rücken, die jedoch letztendlich gar nicht die Ursache der vorhandenen Rückenschmerzen seien.

Fakt ist aber auch, dass es Erkrankungen der Wirbelsäule gibt, bei denen eine Operation empfehlenswert ist – laut Techniker Krankenkasse, wenn z. B. akute Verletzungen als Folge eines Unfalls entstehen, neurologische Störungen wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen auftreten oder die starken Schmerzen nach mehrwöchiger konservativer Behandlung immer noch andauern.

Zudem entscheiden sich immer mehr Patienten für eine Operation, weil ihnen der konservative therapeutische Weg einfach zu lange dauert und sie schnellstmöglich wieder „einsatzfähig“ sein möchten. Diese „Ungeduld“ der Patienten erklärt teilweise auch die Zunahme von Rückenoperationen in deutschen Krankenhäusern. In 2015 wurden hierzulande etwa 280.000 Wirbelsäulenoperationen durchgeführt. Das ist im internationalen Vergleich rekordverdächtig.

Minimal-invasive Verfahren sind schonender

Bandscheibenschäden gehören zu den 20 häufigsten Diagnosen in deutschen Arztpraxen. Diese Fälle landen dann auch besonders häufig auf dem OP-Tisch, obwohl nur in seltenen Fällen tatsächlich operiert werden müsste. Wenn man sich für eine Bandscheiben-OP entscheidet, ist in den meisten Fällen eine minimal-invasive Operationstechnik zu bevorzugen. „Wichtige Strukturen rund um die Wirbelsäule werden geschont. Das Operationsrisiko sinkt deutlich. Ergebnis sind eine schnellere Heilung und weniger chronische Beschwerden“, sagt Professor Grifka.

Es sei aber wichtig, dass der Operateur alle Behandlungsalternativen beherrscht, herkömmliche wie minimal-invasive Verfahren und auch die Techniken der nicht operativen Therapie, ergänzt der Experte. Übrigens:  Auch nach einer Bandscheiben-OP kann niemand garantieren, dass die Schmerzen vergehen. Dann bleibt dem Patienten tatsächlich nur der langwierige Weg übrig, mit dauerhaft mehr Bewegung und Stärkung der Rückenmuskulatur aus der Schmerzfalle zu entkommen.

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