Wenn Pflegebedürftige auf Reisen gehen

Reiseimpressionen des Vereins Urlaub & Pflege: Ein Strandmobil macht den Gang ins Meer auch für Gehbehinderte möglich. (Foto: Urlaub & Pflege e.V.)
Reiseimpressionen des Vereins Urlaub & Pflege: Ein Strandmobil macht den Gang ins Meer auch für Gehbehinderte möglich. (Foto: Urlaub & Pflege e.V.)

Ein Urlaub kann helfen, wieder neue Kraft zu schöpfen

(dbp/spo) Ein paar Tage wegfahren, den Alltag vergessen, einfach mal durchschnaufen: Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen erscheint das oft als unerfüllbarer Traum. Inzwischen gibt es aber viele Reiseanbieter, die diesen Traum erfüllen. Ob Urlaub alleine oder gemeinsam – vieles ist möglich, wenn die Reise gut organisiert ist.

Der gemeinnützige Verein „Urlaub & Pflege“ aus Telgte bei Münster ist so ein Anbieter. Etwa 100 Pflegebedürftige von Pflegestufe 0 bis 3 nimmt er pro Jahr mit auf die Reise – mit oder ohne Angehörige und meist zu Zielen in Deutschland. Der Verein organisiert wenn nötig Pflegehilfsmittel vor Ort und bringt das Pflegepersonal gleich mit.

„Viele sagen vorher: Das geht doch gar nicht“, weiß Susanne Hanowell, Geschäftsführerin von „Urlaub & Pflege“. Und genauso viele seien nachher überrascht, wie gut das Verreisen trotz Pflegebedürftigkeit funktionieren kann. Das Reisemodell bietet Freiheiten: So ermöglicht das mitgereiste Pflegepersonal den Pflegenden, auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Zudem können sich beide Seiten von der Situation zu Hause erholen. Und die ist oft nicht nur für die Pflegepersonen anstrengend, sondern auch für die Pflegebedürftigen, weiß Susanne Hanowell: Die eingeschränkte Selbstständigkeit und das Gefühl, anderen zur Last zu fallen, sind oft schwer zu ertragen.

Einfach mal im Café sitzen

„Der Alltag dreht sich oft nur noch um die unbedingt notwendigen Dinge wie etwa den nächsten Toilettengang. Im Urlaub kann man einfach mal wieder gemeinsam etwas Schönes erleben; im Café sitzen oder einen Sonnenuntergang beobachten“, sagt die Vereins-Geschäftsführerin. „Das tut beiden Seiten richtig gut.“ Erfahrungsgemäß dauert es vor Ort zwei bis drei Tage, bis die Pflegenden ihre Verantwortung guten Gewissens abgeben können und ihre Schützlinge Vertrauen zum Pflegepersonal gefasst haben. Die ideale Reisedauer liege deshalb zwischen zehn und 14 Tagen.

Es sind allerdings nicht nur Vereine wie „Urlaub & Pflege“ oder die Alzheimer Gesellschaften, die das Verreisen mit Pflegebedürftigen entdeckt haben. Immer mehr private Veranstalter, Hotels und sogar Betreiber von Seniorenheimen setzen auf diese Zielgruppe. Zahlreiche Heime bieten inzwischen extra Zimmer für Urlauber an. Der Vorteil: Die Infrastruktur rund um den Pflegealltag ist bereits vorhanden.

Viele private Anbieter

Aber auch für Hotels sind Urlauber mit Handicap interessant, weiß der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). „Mit Blick auf den demographischen Wandel spielt das Thema Gesundheit eine wachsende Rolle“, so DEHOGA-Sprecherin Stefanie Heckel. Die barrierefreie Hotelgestaltung ist dabei das Mindeste. Manche Anbieter kooperieren mit örtlichen Pflegediensten oder haben den ambulanten Dienst mit im Haus. Sie rüsten ihre Appartments bei Bedarf mit Pflegebetten, Duschrollstühlen oder Personenliftern aus.

Oft zahlt die Pflegeversicherung Zuschüsse zu den Pflegekosten im Urlaub, etwa über die sogenannte Verhinderungspflege. Ein Grund mehr, über eine Auszeit von der Pflege nachzudenken. Susanne Hanowell rät unbedingt dazu: „Auch wenn man schwer pflegebedürftig ist, kann man viele schöne Dinge erleben. Wenn zum Beispiel Menschen, die zuhause lange nicht mehr draußen waren, mit dem Strandmobil ins Wasser geschoben werden, dann ist das für die ein tolles Gefühl.“