Wenn es beim Kauen knackt und schmerzt

Zahn-, Kopf-, und Gesichtsschmerzen sind nur einige der Symptome, die bei einer craniomandibulären Dysfunktion auftreten können. Das macht die Diagnose schwierig. (Foto: Fotolia / DDRockstar)
Zahn-, Kopf-, und Gesichtsschmerzen sind nur einige der Symptome, die bei einer craniomandibulären Dysfunktion auftreten können. Das macht die Diagnose schwierig. (Foto: Fotolia / DDRockstar)

Die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist nicht leicht zu diagnostizieren.

(dbp/wgt) Sie ist weniger bekannt als Karies und Parodontose, doch beim Zahnarzt gehört die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) mittlerweile zu den häufigsten Diagnosen. Rund fünf bis zehn Prozent der Deutschen leiden an der funktionellen Störung des Kausystems, die mit einer ganz beachtlichen Liste von Krankheitssymptomen einhergehen kann. Die Beschwerden reichen von Schmerzen in der Kaumuskulatur, schmerzenden und knackenden Kiefergelenken, Zahn-, Kopf-, Nacken- und Gesichtsschmerzen über Sehstörungen und Ohrgeräusche (Tinnitus) bis hin zu Schulter- und Rückenschmerzen. Häufig zeigt sich, dass die Betroffenen nachts auch mit den Zähnen knirschen (Bruxismus).

Symptomvielfalt erschwert die Diagnose

Gerade die Vielzahl der Symptome macht die Diagnose der CMD mitunter auch so schwierig. Denn nicht jeder denkt bei anhaltenden Rückenschmerzen an einen Besuch beim Zahnarzt, und Nackenschmerzen haben bisweilen auch andere Ursachen als eine craniomandibuläre Dysfunktion. Und so haben viele der Betroffenen bereits eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bevor die eigentliche Ursache ihrer Beschwerden erkannt wird.

Liegt jedoch ein begründeter Verdacht auf CMD vor, „verschafft sich der Zahnarzt zunächst mit einer klinischen Funktionsanalyse weitere Klarheit“, erläutert Privatdozent Dr. Marcus Oliver Ahlers, zahnärztlicher Leiter des CMD-Zentrums Hamburg-Eppendorf. Zur klinischen oder manuellen Funktionsanalyse gehört unter anderem die Untersuchung der Kiefergelenke, der Kaumuskulatur und der Zahnkontakte beim Schließen des Kiefers und beim Kauvorgang. Sie kann, falls erforderlich, durch eine instrumentelle Funktionsanalyse und bildgebende Verfahren ergänzt werden.

Hauptursachen: Zahnfehlstellungen und Stress

Da der craniomandibulären Dysfunktion eine Verspannung der am Kausystem beteiligten Muskulatur zugrunde liegt, gilt es dann, die genauen Ursachen zu ermitteln, um die geeignete Therapie einzuleiten. Aus zahnmedizinischer Sicht können laut Ahlers im Wesentlichen zwei Faktoren für die muskulären Verspannungen verantwortlich gemacht werden: zum einen Fehlkontakte der Zähne, die auch durch schlecht sitzenden oder schadhaften Zahnersatz verursacht sein können, und zum anderen psychische Belastungen wie Stress, Angststörungen und depressive Verstimmungen. Hinzu kommen Haltungsstörungen im Rückenbereich, die ebenfalls die für eine CMD typischen Beschwerden hervorrufen können.

Interdisziplinäre Behandlung

Sowohl bei der Diagnose als auch bei der Therapie ist deshalb in der Regel auch eine intensive Zusammenarbeit des Zahnarztes mit Orthopäden und Kieferorthopäden, Spezialisten für psychosomatische Medizin, Psychotherapeuten sowie Physio- und Chirotherapeuten erforderlich. Den größten Therapieerfolg erzielt dabei die Kombination aus einer vom Zahnarzt angepassten Aufbissschiene, mit der die Kiefergelenke entlastet werden, physiotherapeutischen Anwendungen und einem Entspannungstraining, erläutert Ahlers: „Mehr als 70 Prozent der CMD-Patienten können damit erfolgreich behandelt werden.“