Wenn der Stress im Nacken sitzt

Verspannungen und Rückenschmerzen können auch durch zu hohe körperliche und seelische Belastungen im Beruf entstehen. (Foto: Fotolia / Picture-Factory)
Verspannungen und Rückenschmerzen können auch durch zu hohe körperliche und seelische Belastungen im Beruf entstehen. (Foto: Fotolia / Picture-Factory)

Seelische Belastungen führen oft zu Verspannungen und Rückenschmerzen.

(dbp/fru) Bei der Volkskrankheit Rückenleiden spielen nicht nur körperliche Faktoren wie zu wenig Bewegung,  langes Sitzen und falsche Ernährung eine bedeutende Rolle, sondern auch psychische Belastungen. „Seelische Belastungen führen nicht selten zu schmerzhaften Verspannungen der Muskulatur. Damit keine chronischen Beschwerden entstehen, sollten Betroffene das eigene Stresslevel abbauen und gezielt im Alltag entspannen. Dies funktioniert am besten durch einen aktiven Lebensstil mit viel Bewegung“, empfiehlt Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga.

Der Beruf als Auslöser

Verspannungen entstehen laut der Techniker Krankenkasse (TK) auch durch zu hohe Belastungen im Beruf. Die Arbeitswelt habe sich durch die Digitalisierung in den vergangenen Jahren deutlich verändert und verlange von den Beschäftigten viel mehr Flexibilität. Laut einer aktuellen Studie der TK zum Thema Stress fühlen sich zwei von drei Erwachsenen (62 Prozent) in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hohen Anspannungen und Belastungen ausgesetzt. Jeder zweite Befragte leidet unter Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen.

Aus Sicht der TK wird es gerade angesichts älter werdender Belegschaften und längerer Lebensarbeitszeiten für die Unternehmen wichtiger, im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Belastungen am Arbeitsplatz entgegenzuwirken und die Gesundheit und Motivation ihrer Mitarbeiter positiv zu beeinflussen. „Wir brauchen eine Unternehmenskultur in den Betrieben, die den flexiblen Einsatz ihrer Mitarbeiter wertschätzt und es ermöglicht, nach Feierabend zu regenerieren und Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Die Digitalisierung erleichtert die Arbeit ja auch in vielen Bereichen. Wenn aber Beschäftigte auf Abruf ständig einsatzbereit sein müssen, kann das die Gesundheit belasten“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.

Stressfolgen mit Bewegung bewältigen

Um Belastungen für den Rücken vorzubeugen, raten Experten zu aktivem Training des Rückgrats, beispielsweise in Rückenschulen oder Fitness-Studios. Und Spaziergänge, Fahrradtouren und Treppensteigen, anstelle von Fahrstuhlfahren, unterstützen die Wirbelsäule zusätzlich. Bereits kleine, regelmäßige Übungen im Alltag können helfen, weiß Dr. Schneiderhan. So könne man im aufrechten Stand beide Arme nach oben strecken und abwechselnd nach oben greifen, wie beim Äpfel pflücken. Dabei tief einatmen. Während des Ausatmens den Oberkörper nach vorne fallen lassen, die Arme schwingen locker mit. Das sollte dann mindestens acht Mal wiederholt werden.

Oder flach auf den Bauch legen, das Gesäß anspannen, Beine ausstrecken und Füße aufstellen. Hände zum Kopf führen und den Oberkörper nun leicht anheben, dabei einige Sekunden halten. Bauch und Becken bleiben die ganze Zeit am Boden. Kurz entspannen und mehrere Male wiederholen. Wer den Schwierigkeitsgrad erhöhen möchte, streckt die Arme während der Übungsdauer aus.

„Wenn trotz Vorbeugungsmaßnahmen und regelmäßigem Rückentraining  Schmerzen auftreten, sollten Betroffene unbedingt einen Orthopäden aufsuchen. Um die Ursachen aufzudecken, hilft dann häufig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, die auch psychische Faktoren als Schmerzauslöser in die Diagnose und gegebenenfalls in die Behandlung miteinbeziehen“, berichtet Dr. Schneiderhan.

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