Wenn der Partner stirbt – allein leben im Alter

Gespräche über den verstorbenen Ehepartner können den Hinterbliebenen helfen. (Foto: Bilderbox)
Gespräche über den verstorbenen Ehepartner können den Hinterbliebenen helfen. (Foto: Bilderbox)

Gegen Einsamkeit und Überforderung schon in jüngeren Jahren vorbeugen

(dbp/auh) Wie wird das Leben im Alter sein, wenn der Partner gegangen ist? Für viele Menschen ist dieser Gedanke zu schmerzhaft, um sich damit zu beschäftigen. Innig verbundene Eheleute wünschen sich oft, sie mögen zur gleichen Zeit sterben, damit keiner ohne den anderen leben muss. Doch die Realität sieht anders aus: Von den 5,5 Millionen allein lebenden Menschen in Deutschland über 65 Jahre sind mehr als zwei Drittel verwitwet, 76 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer. Jede zweite 80-Jährige wohnt in einem Singlehaushalt, bei den gleichaltrigen Männern ist es jeder Fünfte.

Allein leben gefährdet die Gesundheit

Den langjährigen Partner verlieren, das kann den Lebensmut rauben. In der Folge steigt das Risiko, dass sich gesundheitliche Probleme verstärken, berichtet die Berliner Psychotherapeutin Silke Haase vom Berufsverband Deutscher Psychologen (bdp). Unabhängig davon, ob der Tod plötzlich eintritt oder erwartet wurde, treffe der Verlust die Hinterbliebenen gleichermaßen. Auf die individuell ganz unterschiedlichen und oft unerwarteten Gefühle der Trauer kann man sich nicht vorbereiten.

Arbeitsteilung flexibler gestalten

Allerdings könne man laut Haase gewissermaßen „Vorsorge“ treffen für die ganz praktischen Probleme, die auf einen als Witwer oder Witwe zukommen können. Beispiel: Nach dem Tod des Mannes ist die Frau völlig überfordert mit dem „Papierkram“, da es in ihrer Ehe eine strikte Arbeitsteilung gab: Er kümmerte sich um den Briefverkehr mit Behörden, Banken und Versicherungen, sie führte den Haushalt und sorgte sich um Erziehung und Bildung der Kinder. Haase rät, diese strenge Abgrenzung spätestens beim Eintritt ins Rentenalter aufzuweichen. Das sei ein guter Zeitpunkt, flexibler zu werden, da sich die Paarbeziehung sowieso verändert. „Natürlich kann jeder seine Domäne behalten“, so Haase, aber es sei gut, wenn beide Einblick in den Bereich des anderen bekommen.

Soziale Kontakte suchen

Die Einsamkeit nach einem langen Leben in der Gemeinschaft sei ebenfalls ein Problem, dem man schon in jüngeren Jahren vorbeugen könne. „Kontakt zu anderen Menschen suchen ist das allerbeste, um sich davor zu schützen, in ein Loch zu fallen“, rät die Psychologin. Das sei zwar schwierig, wenn man es nicht gewohnt sei, aber „der einzige Weg“, so Haase.

Wichtig sei auch der Kontakt zu Menschen aus anderen Altersgruppen. Wer ein Hobby hat oder Sport treibt, kann sich einer Gruppe Gleichgesinnter anschließen. Alternativ biete die Nachbarschaft eine Möglichkeit, am sozialen Leben teilzuhaben. „Auf Dauer kann fast niemand ohne Außenkontakte leben“, so die Expertin.

  • Beratungsstellen für Senioren gibt es bei Vereinen (z. B. Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt) und Kommunen (meist zuständig: Kreisverwaltung)