Wenn der Darm verrückt spielt

Die Wärmflasche ist eine ständige Begleiterin für viele Patienten mit Reizdarmsyndrom. (Foto: dondoc-foto / Fotolia)
Die Wärmflasche ist eine ständige Begleiterin für viele Patienten mit Reizdarmsyndrom. (Foto: dondoc-foto / Fotolia)

Bei der Therapie des Reizdarmsyndroms sollte die Psyche berücksichtigt werden

(dbp/auh) Wenn es im Unterleib rumort, wenn sich Verstopfung und Durchfall abwechseln, wenn sich der Bauch aufbläht und der Stuhlgang zur Qual wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um das Reizdarmsyndrom handelt. In Deutschland leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung unter dieser Krankheit, die keine organischen Ursachen hat. Viele gehen nicht zum Arzt. Sie probieren, ihre Beschwerden mit Diäten, Wärmflasche und Kräutertees zu lindern oder es ist ihnen schlicht peinlich, über ihre Symptome zu sprechen. Nur 30 Prozent der Erkrankten suchen ihren Hausarzt auf. Davon wiederum 30 Prozent werden zum Gastroenterologen überwiesen.

Organische Ursachen müssen ausgeschlossen werden

Aus Sicht des Berufsverbandes Niedergelassener Gastroenterologen (BNG) ist das zu wenig: „Die Hilfe des Gastroenterologen wird noch viel zu selten in Anspruch genommen“, teilt der Verband mit (www.bng-gastro.de). Zwar könne auch der Facharzt das Reizdarmsyndrom nicht ursächlich behandeln. Aber eine Behandlung der Symptome, bis hin zur Beschwerdefreiheit, sei möglich. Außerdem sei eine Untersuchung durch den niedergelassenen Gastroenterologen wichtig, um andere Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen sicher auszuschließen.

Nach diesem „Ausschlussverfahren“ funktioniert übrigens auch die Diagnostik des Reizdarmsyndroms, denn es handelt sich um eine funktionelle Erkrankung, für die trotz teilweise erheblicher und stark belastender Beschwerden keine organischen Veränderungen feststellbar sind. Die Kombination, die Häufigkeit und die Heftigkeit der Symptome sind individuell sehr verschieden. Unklare, oft krampfartige Schmerzen im Unterleib, die mal mehr und mal weniger stark auftreten, sind laut BNG der deutlichste Hinweis auf ein Reizdarmsyndrom.

Mögliche Auslöser: Infektionen oder belastende Erlebnisse

In einigen Fällen ist eine frühere Darminfektion der Auslöser für das Reizdarmsyndrom. Bei diesen Patienten bleiben die Symptome der Infektion bestehen, selbst wenn die Krankheitserreger nicht mehr nachweisbar sind. Viele Reizdarmpatienten haben bereits in der Kindheit Probleme mit Magen oder Darm gehabt. Oft begleiten Lebensmittelunverträglichkeiten wie Histamin-, Laktose- oder Fructose-Intoleranz das Reizdarmsyndrom. In manchen Fällen geht dem Ausbruch der Symptome ein psychisch belastendes Ereignis voraus. Unbewältigte, verdrängte Konflikte in der Familie können ebenfalls eine Rolle spielen.

Überhaupt scheinen die Psyche und der Darm in einem sehr engen Zusammenhang zu stehen. Daher ist es in jedem Fall lohnenswert, psychosomatische Therapiemöglichkeiten auszuschöpfen. Obwohl seit langem bekannt ist, dass zum Beispiel psychischer Dauerstress die Verdauung erheblich beeinträchtigt, wird dieser Aspekt immer noch vernachlässigt.

Zur Behandlung der Symptome stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Auch Pfefferminzöl, wenn es in magensaftresistenten Kapseln eingenommen wird, kann die Beschwerden lindern. Allerdings, darauf weist die Gastro-Liga ausdrücklich hin: „Kein heute verfügbares Medikament bewirkt eine Heilung des Reizdarmsyndroms.“