Wenn das Zahnfleisch auf dem Rückzug ist

Wer Zahnseide richtig und regelmäßig anwendet, beugt Zahnfleischentzündungen vor. (Foto: Aleksandar Todorovic / Fotolia)
Wer Zahnseide richtig und regelmäßig anwendet, beugt Zahnfleischentzündungen vor. (Foto: Aleksandar Todorovic / Fotolia)

Freiliegende Zahnhälse können beim Essen und Trinken zu Schmerzen führen

(dbp/wgt) Ein leckeres Eis oder eine heiße Suppe – und schon durchfährt ein stechender Schmerz den Zahn. Fast jeder hat das schon mal erlebt. Aber nicht immer ist eine Karies die Ursache, wenn Heißes, Kaltes oder Saures den Zahnnerv reizt. Häufig sind freiliegende Zahnhälse die Auslöser.

Bei einem gesunden Gebiss sind die Zahnhälse von Zahnfleisch umgeben und damit gut geschützt. Zieht sich das Zahnfleisch jedoch zurück, geht auch der natürliche Schutz verloren. Denn im Unterschied zum sichtbaren Zahn, sind die empfindlichen Zahnhälse nicht von einer Schmelzschicht umgeben. So können äußere Reize direkt an die winzigen Dentinkanälchen im Zahnhals gelangen, die mit dem Zahnnerv in Verbindung stehen.

Hauptursache: schlechte Zahnpflege

Dass es überhaupt zu einem Rückzug des Zahnfleisches kommt, kann viele Ursachen haben. Meist liegt es an mangelnder oder falscher Zahnpflege. Werden die Zähne und die Zahnzwischenräume nicht gründlich geputzt, können sich Essensreste und Bakterien ablagern. Dann besteht die Gefahr, dass sich das Zahnfleisch entzündet. Der Zahnarzt spricht dabei von einer Gingivitis. Bleibt sie unbehandelt, schrumpft das Zahnfleisch und die Entzündung kann auf das gesamte Zahnbett übergreifen. Parodontitis lautet dann die Diagnose. Im schlimmsten Fall kann der Kieferknochen den Zahn irgendwann nicht mehr halten und er fällt aus.

Doch nicht nur wer seine Zähne ungenügend pflegt, riskiert, dass sich das Zahnfleisch entzündet. Auch zu intensive Mundhygiene kann dazu führen, dass die Zahnhälse irgendwann freiliegen. Die falsche Zahnbürste mit zu harten Borsten, aber auch falsches Bürsten und zu starker Druck schaden Zähnen und Zahnfleisch.

Raucher tragen hohes Parodontitisrisiko

Professor Jörg Meyle, Direktor der Poliklinik für Parodontologie am Uniklinikum Gießen und Marburg, sieht im Rauchen den „wichtigsten nicht angeborenen, sondern selbst beigebrachten Risikofaktor“ für die Entstehung einer Parodontitis. Nikotin vermindert die Durchblutung im Mundraum. Das Zahnfleisch wird dann nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Dadurch leidet das Immunsystem und Bakterien haben es leichter, sich anzusiedeln.

Aber auch angeborene Immundefekte oder ein schlecht eingestellter Diabetes können das Risiko erhöhen, an einer Parodontitis zu erkranken, betont Meyle. Negativ können sich auch eine vitaminarme Ernährung und starker Stress auf eine bereits bestehende Zahnfleisch- oder Zahnbettentzündung auswirken.

Sorgfältige Mundhygiene ist unerlässlich

Um es gar nicht erst zu einem Rückzug des Zahnfleischs und den damit verbundenen Folgen kommen zu lassen, ist eine „regelmäßige und sorgfältige Mundhygiene“ unerlässlich, so Meyle. Dazu gehört jedoch nicht nur die richtige Zahnbürste. Besonders wichtig ist die Pflege der Zahnzwischenräume, in denen sich die entzündungsauslösenden Bakterien dem Zugriff der Zahnbürste entziehen. Professor Meyle rät deshalb unbedingt zur Anwendung von Zahnseide, um die versteckten Ecken zu erreichen.

Liegen die Zahnhälse bereits blank, kann auch eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt sinnvoll sein, um einer Parodontitis vorzubeugen. Dabei kann der Zahnarzt gleichzeitig den Erfolg der häuslichen Zahnpflege überprüfen und mögliche Tipps zum korrekten Gebrauch von Zahnbürste, Zahnseide oder Zwischenraumbürste geben.