Wenn das Herz keine Kraft zum Entspannen hat

Patienten mit einer diastolischen Herzschwäche haben fast immer auch zu hohen Blutdruck. (Foto: Bilderbox)
Patienten mit einer diastolischen Herzschwäche haben fast immer auch zu hohen Blutdruck. (Foto: Bilderbox)

Wasser in den Beinen oder in der Lunge? Das kann eine „diastolische Herzschwäche“ sein

(dbp/auh) Die Herzwochen 2013 stehen unter dem Motto „Das schwache Herz“. Die Deutsche Herzstiftung möchte in diesem Jahr auf die diastolische Herzschwäche aufmerksam machen, eine häufige, aber wenig bekannte Form der Herzinsuffizienz.

Als „tückisch“ bezeichnet die Herzstiftung die diastolische Herzschwäche, weil sie oft mit Bluthochdruck, aber auch mit Diabetes, Vorhofflimmern und Übergewicht einhergehe und quasi übersehen werde. Nach Angaben von Professor Michael Böhm, Kardiologe an der Uniklinik in Homburg/Saar, neigen viele Patienten dazu, die typischen Symptome auf das Alter zu schieben. Atemnot bei Belastung und geschwollene Knöchel werden manchmal auch einfach nicht wahrgenommen.

Zwei bis drei Millionen Patienten

Laut „Kompetenznetz Herzinsuffizienz“ gibt es in Deutschland etwa zwei bis drei Millionen Menschen mit einer Form von Herzschwäche. Betrachtet man den komplexen Blutkreislauf im Herz, wird deutlich, dass es verschiedene Funktionsstörungen geben kann. Von allen geht letztlich ein potenzielles Risiko für sämtliche Organe, Nerven, Gewebe und Muskeln aus. Denn bei jeder Form von Herzschwäche ist die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des ganzen Körpers in Gefahr.

Was genau ist denn eigentlich eine diastolische Herzschwäche? Systole und Diastole sind die zwei Phasen des Herzschlags. Während der Systole zieht sich das Herz zusammen und pumpt aus beiden Kammern das Blut hinaus. Aus der rechten Herzkammer wird sauerstoffarmes Blut in die Lunge gepumpt, aus der linken Herzkammer strömt sauerstoffreiches Blut in den Körper. Sind die Kammern leer, entspannt sich das Herz und saugt neues Blut heran. Dabei dehnt sich das Herz aus (Diastole). Aus dem Körper gelangt sauerstoffarmes Blut in die rechte, aus der Lunge kommt das sauerstoffreiche Blut in die linke Herzkammer.

Die Diastole wurde vernachlässigt

Bis vor wenigen Jahren habe man unter Herzschwäche hauptsächlich eine Störung der Systole verstanden, so das Kompetenznetz. Heute sei bekannt, dass etwa die Hälfte der Herzinsuffizienz-Patienten, vor allem Frauen im höheren Lebensalter, an einer diastolischen Funktionsstörung leiden. Dabei kann die Pumpleistung des Herzen sehr gut sein, aber es hat ein „Füllungsproblem“: Bei diastolischer Herzschwäche hat der Herzmuskel seine Elastizität verloren. Er dehnt sich nur ungenügend aus und kann deshalb in der Diastole nicht genug Blut aufnehmen.

Staut sich das Blut bis in den Lungenkreislauf hinein, wird die Atmung behindert. Laut Herzstiftung müssen Patienten in vielen Fällen wegen einer plötzlich einsetzenden Luftnot mit „Wasser in der Lunge“ ins Krankenhaus.

Die Behandlung der diastolischen Herzschwäche sei bisher wesentlich weniger erforscht als die Therapie anderer Herzerkrankungen. Man weiß aber, dass regelmäßiges Ausdauertraining sich günstig auswirkt. Mit Medikamenten können „allenfalls kleine Effekte erzielt werden“, sagt der Göttinger Herzspezialist Professor Gerd Hasenfuß, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. Umso wichtiger sei, dass Bluthochdruck, Diabetes oder Vorhofflimmern optimal eingestellt werden.