Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät

Den eigenen Puls messen, das ist ganz leicht. So kann jeder feststellen, ob sein Herz unregelmäßig, zu schnell oder zu langsam schlägt. (Foto: beeny1983 / Fotolia)
Den eigenen Puls messen, das ist ganz leicht. So kann jeder feststellen, ob sein Herz unregelmäßig, zu schnell oder zu langsam schlägt. (Foto: beeny1983 / Fotolia)

Herzrhythmusstörungen sind weit verbreitet und können ein Warnsignal sein

(dbp/auh) Wenn das Herz plötzlich „rast“, muss das keine Herzrhythmusstörung sein. Bei seelischer oder körperlicher Belastung kann die Herzfrequenz, die normalerweise zwischen 60 und 90 Schlägen pro Minute liegt, auf bis zu 160 bis 180 ansteigen. Krankhaft aber ist ein schlagartiges Umspringen vom Normalmodus auf eine sehr hohe oder auch eine sehr niedrige Schlagfolge ohne erkennbaren Anlass.

„Ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden“, erläutert Professor Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Der Übergang zwischen normal und krankhaft ist fließend. Krankhaft bedeutet nicht immer gefährlich“, beruhigt der Kardiologe am Klinikum Stephansplatz in Hamburg. Herzrhythmusstörungen seien nur in seltenen Fällen, zum Beispiel wenn sie angeboren sind, eine eigenständige Erkrankung.

Meist treten sie in Folge einer Herzkrankheit auf oder resultieren aus einem Ungleichgewicht der Blutsalze Kalium und Magnesium. Sogar zu wenig Schlaf, zu üppiges Essen oder zu viel Alkohol kann das Herz aus dem Takt bringen. Entscheidend für den Therapieerfolg sei die gezielte Behandlung der eigentlichen Ursache, also der Grunderkrankung, so Professor Meinertz in einer aktuellen Verlautbarung der Herzstiftung. Die Herzrhythmusstörung selbst müsse in den meisten Fällen gar nicht behandelt werden. Der Experte rät zu Gelassenheit: „Mit harmlosen Rhythmusstörungen muss man leben lernen“, sagt er in einem Interview der Herzstiftung. Davon dürfe man sich nicht verrückt machen lassen.

Vorhofflimmern wird oft nicht bemerkt

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist nach Angaben der Herzstiftung das Vorhofflimmern. Werden Patienten mit Vorhofflimmern nicht mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt, haben sie ein hohes Schlaganfallrisiko. Bei Vorhofflimmern ziehen sich durch das Flimmern die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig zusammen. Der Blutstrom verlangsamt sich, Blutgerinnsel können sich bilden, die vom Blutstrom fortgeschwemmt Hirngefäße verschließen: Schlaganfall. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern laut Herzstiftung etwa 30.000 Schlaganfälle in Deutschland.

Etwa jeder zweite Patient bemerkt das Vorhofflimmern nicht. Deshalb plädiert Professor Meinertz dafür, dass es in jedem Haushalt ein Blutdruckmessgerät gibt. Die meisten dieser Geräte können den unregelmäßigen Herzschlag anzeigen, wenn man den Blutdruck misst. „Patienten können so Unregelmäßigkeiten des Pulses feststellen und sollten dann den Herzrhythmus beim Arzt durch ein EKG überprüfen lassen“, rät Meinertz.

Regelmäßig den Puls messen

Der Kardiologe ist der Meinung, dass bei allen Patienten über 65 Jahre bei jedem Arztbesuch der Puls gemessen werden sollte, ganz gleich, warum sie zum Arzt gehen. Wenn bereits ein Bluthochdruck diagnostiziert wurde, sollte das unabhängig vom Alter gemacht werden. Stellt der Arzt einen unregelmäßigen Puls fest, sollte er ein Elektrokardiogramm (EKG) veranlassen, das Vorhofflimmern dokumentieren kann.

Ganz leicht selbst messen kann man den eigenen Puls, wenn man eine Uhr mit Sekundenzeiger hat. Dazu setzt man sich erstmal fünf Minuten ruhig hin. Dann legt man den Zeige- und den Mittelfinger der einen Hand an die Unterarmarterie der anderen Hand. Sie befindet sich an der Innenseite des Unterarms, unterhalb der Daumenwurzel am Handgelenk. Nun zählt man 30 Sekunden lang den Puls und verdoppelt das Ergebnis. Alle Werte zwischen 60 und 90 sind normal.

Diese Anleitung gibt es bei der Deutschen Herzstiftung auf einer kleinen Karte, die in jedes Portemonnaie passt. Sie ist kostenlos im Internet zu bestellen unter www.herzstiftung.de/puls-messen.