Wenn der Darm die Nerven verliert

Verstopfung und Durchfall im Wechsel – eines von vielen Symptomen des Reizdarmsyndroms. (Foto: D. Ott / Fotolia)
Verstopfung und Durchfall im Wechsel – eines von vielen Symptomen des Reizdarmsyndroms. (Foto: D. Ott / Fotolia)

Funktionelle Magen-Darm-Störungen sind organische Erkrankungen, keine Einbildung

(dbp/auh) Das Reizdarmsyndrom gehört zu den funktionellen Erkrankungen, für die trotz teilweise erheblicher und stark belastender Beschwerden keine organischen Veränderungen feststellbar sind. Auch Reizmagen, chronische Verstopfung, Stuhlentleerungsstörungen und bestimmte Formen der Stuhlinkontinenz gehören dazu. Es handelt sich aber bei diesen Störungen dennoch um organische Erkrankungen und nicht um psychosomatische Phänomene.

Darauf möchte die „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm, Leber und Stoffwechsel sowie von Störungen der Ernährung“ (Gastro-Liga) mit dem diesjährigen Magen-Darm-Tag am 2. November hinweisen. Unter dem Motto „Wenn der Darm die Nerven verliert“ organisiert die Gastro-Liga bundesweit Informationsveranstaltungen und Telefonaktionen zu den drei Themenkomplexen Reizmagen und Reizdarm, chronische Verstopfung und Stuhlentleerungsstörungen/Stuhlinkontinenz. Dabei sollen neben neuen Erkenntnissen der Ursachenforschung auch moderne Therapiemöglichkeiten vorgestellt werden. Näheres zu den einzelnen Terminen im Internet unter www.gastro-liga.de.

Reizdarm: eine häufige Erkrankung

Nach Angaben der Gastro-Liga ist der Reizdarm (Colon irritabile) eine recht häufige Erkrankung. „10 bis 15 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei die Stärke der Beschwerden individuell sehr unterschiedlich sein kann“, informiert der Verein in seinem Patientenratgeber. Die Symptome sind sehr vielfältig und nicht nur auf den Verdauungstrakt bezogen. Schmerzen, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall und Verstopfung im Wechsel) und Nahrungsmittelintoleranzen sind genauso typisch wie Kopfschmerzen, Rücken- und Gelenkbeschwerden, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen.

Wenige Patienten suchen den Facharzt auf

Viele Patienten probieren, ihre Beschwerden mit Diäten, Wärmflasche und Kräutertees zu lindern oder es ist ihnen schlicht peinlich, über ihre Symptome zu sprechen. Nur 30 Prozent der Erkrankten suchen ihren Hausarzt auf. Davon werden etwa 30 Prozent zum Gastroenterologen überwiesen. Aus Sicht des Berufsverbandes Niedergelassener Gastroenterologen (BNG) ist das zu wenig: „Die Hilfe des Gastroenterologen wird noch viel zu selten in Anspruch genommen“, teilt der Verband mit (www.bng-gastro.de). Zwar könne auch der Facharzt das Reizdarmsyndrom nicht ursächlich behandeln. Aber eine Behandlung der Symptome, bis hin zur Beschwerdefreiheit, sei möglich.

In einigen Fällen ist eine frühere Darminfektion der Auslöser für das Reizdarmsyndrom. Bei diesen Patienten bleiben die Symptome der Infektion bestehen, selbst wenn die Krankheitserreger nicht mehr nachweisbar sind. Viele Reizdarmpatienten haben bereits in der Kindheit Probleme mit Magen oder Darm gehabt. Oft begleiten Lebensmittelunverträglichkeiten wie Histamin-, Laktose- oder Fructose-Intoleranz das Reizdarmsyndrom. In manchen Fällen geht dem Ausbruch der Symptome ein psychisch belastendes Ereignis voraus. Unbewältigte, verdrängte Konflikte in der Familie können ebenfalls eine Rolle spielen.

Überhaupt stehen die Psyche und der Darm in einem sehr engen Zusammenhang. Obwohl seit langem bekannt ist, dass zum Beispiel psychischer Dauerstress die Verdauung erheblich beeinträchtigt, wird dieser Aspekt immer noch vernachlässigt.

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Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm, Leber und Stoffwechsel sowie von Störungen der Ernährung (Gastro-Liga), www.gastro-liga.de; Online-Informationen des Berufsverbandes Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands, www.bng-gastro.de; Online-Informationen des Berufsverbandes Deutscher Internisten, www.internisten-im-netz.de; "Was Sie schon immer zum Reizdarmsyndrom wissen wollten", Patientenratgeber der Gastro-Liga; Prof. Dr. med. Michael Karaus: „Was ist ein Reizdarmsyndrom und wie häufig wird die Diagnose gestellt?“, Vortrag am 29.01.2011 auf dem Reizdarmtag in Hannover, abrufbar unter www.reizdarmselbsthilfe.de; alle Seiten abgerufen im Oktober 2013