Weniger Schmerzmittel dank Radontherapie

Die Radonwärmetherapie kann bei starken chronischen Schmerzen Linderung verschaffen. (Foto: Gasteiner Heilstollen)
Die Radonwärmetherapie kann bei starken chronischen Schmerzen Linderung verschaffen. (Foto: Gasteiner Heilstollen)

Schmerzpatienten können nach Radonbehandlung Arzneimittelkonsum reduzieren

(dbp/auh) Seit rund 100 Jahren wird das radioaktive Edelgas Radon zur Behandlung von chronischen Schmerzen genutzt. Die Wirksamkeit der Radontherapie ist insbesondere bei Morbus Bechterew seit vielen Jahren belegt. Aber auch andere Schmerzpatienten profitieren von den verschiedenen Radonanwendungen, da sie in der Folge ihren Schmerzmittelkonsum deutlich reduzieren können.

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) ist eine schmerzhafte, chronisch verlaufende entzündlich-rheumatische Erkrankung, die sich vor allem an der Wirbelsäule auswirkt. Entzündungen treten an den Wirbelgelenken sowie an den Iliosakralgelenken (zwischen Kreuz- und Darmbein) auf. Krankheitsschübe mit unerträglichen Schmerzen, Abgeschlagenheit und manchmal auch Fieber wechseln sich ab mit Phasen relativen Wohlbefindens.

Klassische Indikation: Morbus Bechterew

Nach Angaben der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew wurde seit Beginn der 1990-er Jahre in mehreren wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit der Radontherapie bei Bechterew-Patienten belegt, insbesondere Heilaufenthalte in den Radonstollen von Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) und Bad Gastein (Österreich) wurden untersucht.

Vor dem Hintergrund, dass seit 2001 Radon kein gesetzlich anerkanntes Heilmittel mehr ist, schrieb die Bechterew-Vereinigung damals: „Da viele Patienten nach der Radontherapie monatelang auf entzündungshemmende Medikamente mit ihren zum Teil gefährlichen Nebenwirkungen verzichten können, könnten Krankenkassen durch die Zulassung von Radon als kostengünstiges entzündungshemmendes Heilmittel jährlich Millionenbeträge einsparen“, so nachzulesen auf www.bechterew.de/?id=1128.

Studienergebnisse lassen hoffen

Gesetzlich Krankenversicherte haben lediglich im Rahmen einer Kur Anspruch auf Radonbehandlungen „auf Rezept“. Als Einzelanwendung dürfen Ärzte die Radontherapie nicht verschreiben. Mit den Ergebnissen der sogenannten IMuRa-Studie versuchen die Vertreter der deutschen Radonheilbäder allerdings einen neuen Vorstoß beim zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss. Die „Internationale randomisierte multizentrische Radon-Studie“ belegte abermals, dass Radonbäder und Radonstollenaufenthalte den Schmerzmittelkonsum deutlich reduzieren können. Die Studie wurde in vier deutschen und drei österreichischen Radon-Heilbädern bei mehr als 650 Patienten durchgeführt. Die Studienteilnehmer litten unter Morbus Bechterew, rheumatoider Arthritis, Hüft- oder Kniegelenk-Arthrose, Osteoporose oder chronischen Rückenschmerzen.

Radon plus Wärme wirkt gegen den Schmerz

Lang anhaltende schmerzlindernde Effekte werden auch der Radonwärmetherapie zugeschrieben, die in Bad Gastein (Österreich) angeboten wird. Dr. Bertram Hölzl, Internist und ärztlicher Leiter des Gasteiner Heilstollens erklärt das Vorgehen: Die Schmerzpatienten fahren mit einem Zug auf verschiedene Therapiestationen im Berginneren. Während der etwa einstündigen Therapieeinheit, die sie im Liegen verbringen, nehmen sie das Radon über Haut und Lunge in niedrigen Mengen auf.

Die Wirkung des Radons verstärkt sich durch den sogenannten Hyperthermie-Effekt: Wenn Temperaturen über 37,5 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit zusammentreffen, steigt die Körperkerntemperatur der Patienten auf 38,5 Grad. In der Folge stellen sich die Blutgefäße weit, was zu einer besseren Durchblutung und Entspannung schmerzgeplagter Muskeln führt.

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Quellenangaben:
Informationen vom Bayerischen Staatsbad Bad Steben, www.bad-steben.de/kur-gesundheit/heilmittel/fragen-zur-radontherapie.html; Informationen vom Sibyllenbad in der Oberpfalz: www.sibyllenbad.de/Portaldata/1/Resources/03_gesundheit_und_kur/Sibyllenbad_Medizin_201009.pdf; Professor Alexander Kaul, Präsident i. R. des Bundesamtes für Strahlenschutz: „Ist eine Radon-Therapie im Heilstollen oder im Wannenbad der Gesundheit des Patienten abträglich?“, zit. n.: www.euradon.de/euradon-ger/ext_html/Patienteninfo.pdf; Informationen von EURADON - Verein Europäische Radonheilbäder e. V., www.euradon.de; Professor Ernst Feldtkeller: Rezension des Buches „Radon als Heilmittel - Therapeutische Wirksamkeit, biologischer Wirkmechanismus und vergleichende Risikobewertung“, hrsg. vom Radon-Dokumentations- und Informationszentrum (RADIZ) in Bad Schlema, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2005, zit. n.: www.bechterew.de/inhalt/service-und-literatur/literatur-angebote/radon-als-heilmittel/; IMuRA-Studie: Nachhaltige Schmerzlinderung durch Radon-Therapie, in: www.rheuma-online.de; Internationale multizentrische randomisierte klinische Radon-Studie, in: http://aerzte-exklusiv.at/index.php?id=184&tx_ttnews[tt_news]=2831&cHash=27df79c1d158d8ffab45ceef9634eb13; Radon als Heilmittel. Indikationen und wissenschaftliche Bewertung, (Autoren siehe Rezension von Ernst Feldtkeller), zit. n.: http://euradon.de/euradon-ger/ext_html/vorabdruck2.htm; die IMuRa-Studie hier: Franke A, Franke T (2013) : Long-term benefits of radon spa therapy in rheumatic diseases: results of the randomised, multi-centre IMuRa trial.. In: Rheumatol Int, 33(11), 2839-2850; alle Informationen abgerufen im März 2015