Wen trifft der Schlag?

Hunde können zur Gesundheit ihrer Besitzer beitragen, denn sie zwingen Herrchen und Frauchen, sich täglich zu bewegen. (Foto: Galina Barskaya / Fotolia)
Hunde können zur Gesundheit ihrer Besitzer beitragen, denn sie zwingen Herrchen und Frauchen, sich täglich zu bewegen. (Foto: Galina Barskaya / Fotolia)

Schlaganfall – Risikofaktoren und Möglichkeiten der Prävention

(dbp/auh) Mit 200.000 Neuerkrankungen jährlich ist der Schlaganfall hierzulande laut NeuroCure Clinical Research Center (NCRC) eine „ernste Volkskrankheit“. Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe sterben 37 Prozent der Betroffenen innerhalb des ersten Jahres nach dem Schlaganfall; 70 Prozent der Überlebenden bleiben behindert. Zählt man die wiederholten Schlaganfälle hinzu, dann wird rein rechnerisch in Deutschland alle zwei Minuten ein Mensch „vom Schlag getroffen“.

Diese Redensart beschreibt den Schlaganfall sehr gut, denn laut Professor Dr. Andreas Meisel trifft er den Menschen immer unvorbereitet. Der Berliner Neurologe forscht am NCRC, dem klinischen Forschungszentrum des Exzellenzclusters NeuroCure, und am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB).

Theoretisch kann es jeden treffen

Es kann im Prinzip jeden treffen: Schlaganfälle gibt es in jeder Altersgruppe, sogar schon vor der Geburt. Es trifft beide Geschlechter, Sportler und Untrainierte, scheinbar gesunde und kranke Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt allerdings mit dem Alter sehr deutlich an. Nur fünf Prozent der Betroffenen sind unter 40, aber jeder Zweite ist im erwerbsfähigen Alter. „Ab 60 Jahren beginnt der Risikobereich“, erläutert Meisel. Die Hälfte aller Schlagänfalle in Europa erleiden Menschen, die älter als 73 Jahre sind.

„Am Alter können wir ja nichts ändern“, sagt Meisel. Umso wichtiger ist es ihm, darauf hinzuweisen, dass die Verminderung der allermeisten anderen Risikofaktoren in jedem Alter möglich ist. Dazu gehört seiner Erkenntnis nach in erster Linie der Bluthochdruck, gefolgt von den anderen üblichen Verdächtigen: zu hoher Blutzucker, ungünstige Cholesterin- und Blutfettwerte, Bewegungsmangel und Rauchen.

Risiken minimieren lohnt sich in jedem Alter

Es sei nie zu spät, etwas für die Gefäßgesundheit zu tun, betont der Schlaganfall-Experte. „Blutgefäße haben ein Regenerationspotenzial“, sagt Meisel. In der Praxis bedeutet das beispielsweise: Ein 75-jähriger Raucher mit Übergewicht hat es selber in der Hand (und in den Beinen), sein Schlaganfallrisiko messbar zu verringern. Sofortiger Rauchstopp gepaart mit einem täglichen halbstündigen Spaziergang verbessert bereits seine Gesundheit.

Hauptziel sollte sein, die Blutdruckwerte zu normalisieren. Auch dabei möchte Meisel Mut machen, denn nicht jeder Mensch muss einen Blutdruck von 120 zu 80 haben: „Der behandelnde Kardiologe muss den Einzelfall betrachten und den Zielwert individuell bestimmen.“ Der diastolische Wert, das ist der niedrigere, der an zweiter Stelle genannt wird, sollte allerdings 90 nicht übersteigen.