Weil die Zahnbürste nicht überall hinkommt

Die tägliche Anwendung von Zahnseide ist bei Menschen mit engen Zahnzwischenräumen wichtig und sinnvoll. (Foto: Kalim / Fotolia)
Die tägliche Anwendung von Zahnseide ist bei Menschen mit engen Zahnzwischenräumen wichtig und sinnvoll. (Foto: Kalim / Fotolia)

Wozu dienen Zahnseide, Zahnzwischenraumbürstchen und Mundspülungen?

(dbp/mhk) Sorgfältige Mundhygiene und gründliche Zahnpflege sind die Voraussetzungen für den langen Erhalt gesunder Zähne. Laut Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) lautet die „Grundforderung“: Zweimal täglich Zähneputzen mit einer adäquaten Zahnbürste – mittelhart oder weich mit möglichst kurzem Kopf, die gut in der Hand liegt – und Zahnpasta mit Fluorid (für Erwachsene: 1.450 ppm, für Kinder bis sechs Jahren: 500 ppm).

Zahnseide

Die Zahnbürste erreicht aber nur etwa 70 Prozent der Zahnoberfläche, der Rest liegt im Verborgenen. Um Zahnbeläge und Speisereste auch aus den engen Zwischenräumen zu entfernen, sei die einmal tägliche Nutzung von Zahnseide gut geeignet, so Oesterreich. Das gelte vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen in der Regel die Zahnzwischenräume noch sehr eng sind. Zahnseide gibt es in verschiedenen Ausführungen: gewachst und ungewachst, mit und ohne Aroma und Fluoriden oder in Form von flauschigen, leicht aufgerauten Fäden. Diese sei besonders zu empfehlen für die Reinigung unterhalb von Implantaten, Brücken und Kronen, oder speziell für Zahnbetterkrankungen sowie bei größeren Zahnzwischenräumen.

Zahnzwischenraumbürsten

Ideal für Patienten mit einer Zahnbettentzündung (Parodontitis), bei der Pflege von Zahnersatz oder bei offenen Zahnzwischenräumen ist zudem die tägliche Benutzung einer Zahnzwischenraumbürste. Mit den winzigen Borsten kann man dann effektiver an versteckte Zahnbeläge gelangen als mit Zahnseide. Wichtig ist aber eine vorherige Beratung beim Zahnarzt oder bei der Prophylaxe-Assistentin: Sie nennen die richtige Größe oder Stärke und erklären die korrekte Handhabe.

Medizinische Mundspül-Lösungen

Mundspülungen und Mundwasser liefern lediglich einen frischen Geschmack, haben aber keinen großen Effekt. Medizinische Mundspül-Lösungen hingegen sind Medikamente – meist mit Chlorhexidin – die vor allem antibakteriell gezielt bei Zahnbettentzündungen oder Zahnfleischerkrankungen zur Bekämpfung der Bakterienbesiedelung eingesetzt werden und bei entsprechender Indikation vom Zahnarzt verschrieben werden. „Durch fluoridhaltige Mundspülungen kann auch Karies vorgebeugt werden“, so Oesterreich.

Eine Munddusche entfernt grobe Essensreste, reinigt aber die Zähne nicht von bakteriellen Zahnbelägen „Am besten fragen Sie vor der Anschaffung Ihren Zahnarzt“, rät der Experte. Mitunter kann der Einsatz in Kombination mit medizinischen Lösungen sinnvoll sein.

Zungenschaber

Bakterien lieben auch die raue Oberfläche der Zunge, vor allem am hinteren Zungenrücken, und lagern sich dort gerne an. Zur täglichen Mundhygiene ist daher auch die Reinigung der Zungenoberfläche mit speziellen Zungenreinigern, mit denen der bakterielle Belag schonend abgeschabt wird, durchaus sinnvoll, gerade bei Patienten mit einem hohen Karies- oder Parodontitisrisiko.

Für unterwegs

Ist zwischendurch keine Zahnbürste zur Hand, können nach dem Essen auch zuckerfreie Zahnpflegekaugummis verwendet werden. Durch das Kauen wird der Speichelfluss stimuliert. Der Speichel spült gröbere Beläge von den Zähnen, hilft zudem bei der Abwehr von zahnschädigenden Säuren in der Mundhöhle und unterstützt bei Reparaturprozessen. Zahnhölzchen oder vergleichbare Kunststoffsticks sind praktisch für unterwegs und entfernen grobe Speisereste.

Wichtig: Welche Hilfsmittel die besten Ergebnisse erzielen, ist eine individuelle Frage, die nur vom behandelnden Zahnarzt beantwortet werden kann.