Weihrauch wirkt wohltuend

Weihrauch: Baumharz mit entzündungshemmender Wirkung. (Foto: Dieter Schütz / Pixelio)
Weihrauch: Baumharz mit entzündungshemmender Wirkung. (Foto: Dieter Schütz / Pixelio)

Das bernsteinfarbene Baumharz birgt ein bisher ungenutztes Potenzial.

(dbp/auh) Die Heilpflanzentherapie gehört zu den ältesten Behandlungsmethoden der Welt. Die moderne Phytotherapie wird heute unter anderem von Ärzten mit der Zusatzbezeichnung „Naturheilverfahren“ und von Heilpraktikern angewandt. Die Selbstmedikation mit pflanzlichen Wirkstoffen ist zwar sehr beliebt, ihr liegt aber oft ein Missverständnis zugrunde, nämlich dass die Wirkung pflanzlicher Arzneien sanfter und verträglicher sei als die von synthetischen Pharmazeutika. Das mag zwar im Einzelfall zutreffen, als grundsätzliche Aussage stimmt das aber nicht.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Das sollte jeder wissen, der seine Beschwerden mit „natürlichen“ Mitteln bekämpfen will: Auch pflanzliche Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen haben. Johanniskraut zum Beispiel wird als Stimmungsaufheller eingesetzt und ist rezeptfrei erhältlich. Bei manchen Menschen allerdings erhöht es auch die Photosensitivität der Haut, was zu vorschnellem Sonnenbrand führen kann. Generell gilt: Hoch dosierte Pflanzenextrakte sollten nur von erfahrenen Therapeuten verordnet werden.

Nicht von allen traditionellen Heilpflanzen sind die relevanten Inhaltsstoffe und deren pharmakologische Wirkweisen im Detail bekannt. Wenn uraltes Erfahrungswissen wissenschaftlich (noch) nicht belegt werden konnte, bleibt manches Potenzial ungenutzt. Weihrauch zum Beispiel sucht man als Arzneimittel vergeblich in deutschen Apotheken, obwohl niemand seine entzündungshemmende Wirkung bestreitet. Lediglich als Nahrungsergänzungsmittel – oft von zweifelhafter Herkunft und Qualität – ist Weihrauch erhältlich.

Weihrauch hemmt Entzündungen

Weihrauch wurde schon in der Antike, im alten Ägypten und in der traditionellen indischen und chinesischen Medizin bei der Behandlung von entzündlichen Krankheiten, beispielsweise Arthritis und Bronchitis, und in der Wundheilung verwendet. Dass Weihrauch wirkt, haben zahlreiche klinische Studien bestätigt. Auch kennt man die für diese Wirkung verantwortlichen Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren. Sie hemmen die Bildung eines Stoffs (Prostaglandin E2), der unter anderem für Entzündungen, Schmerzen, Fieber, Rötungen und Gewebeschwellungen „mitverantwortlich“ ist.

Professor Dr. Oliver Werz, der diesen Mechanismus am Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena entdeckt hat, hält einen gezielten Einsatz von Boswelliasäuren in der Therapie von Entzündungserkrankungen für denkbar. Dabei erwartet der Experte weniger Nebenwirkungen, als bei den heute gängigen Entzündungshemmern wie Diclofenac oder Indometacin.

Dennoch: Für eine Zulassung als Phytopharmakon stehen die Zeichen eher ungünstig, denn die bisher durchgeführten Studien entsprechen nicht den Anforderungen für einen Zulassungsantrag als Arzneimittel. Hinzu kommt laut Professor Werz, dass Weihrauchbäume in ihrem Bestand stark gefährdet sind: „Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren.“