Was die Zutatenliste nicht verrät

Allergiker und Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten lesen die Zutatenliste auf Lebensmittelverpackungen stets ganz genau. (Foto: Niki Love / Fotolia)
Allergiker und Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten lesen die Zutatenliste auf Lebensmittelverpackungen stets ganz genau. (Foto: Niki Love / Fotolia)

Nachgeforscht: Steht auf Lebensmittelverpackungen wirklich immer drauf, was drin ist?

(dbp/auh) Otto von Bismarck wird das Zitat zugeschrieben: „Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie.“ Schöner kann man eine autoritäre Haltung kaum formulieren. Demokratisch organisierte Gesellschaften funktionieren anders: Jeder darf selbst entscheiden, was er wissen will und was lieber nicht. Diese Freiheit gewährleistet der Gesetzgeber, indem er den Bürgern alle verfügbaren Informationen zugänglich macht. Wenn es dabei aber um die Wurst (und andere Lebensmittel) geht, ist das nicht so einfach.

Die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV), die für alle Länder der Europäischen Union gilt, ist sehr umfangreich und detailliert. Sie schreibt nicht nur vor, welche Angaben auf der Verpackung stehen müssen, sondern auch, in welcher Schriftgröße und zum Teil sogar an welchem Ort sie platziert werden müssen. Doch für jede Regel gibt es Ausnahmen. Einige davon stellen wir vor:

Nicht jedes Produkt hat eine Zutatenliste

Die Schrift muss so groß sein, dass das kleine „x“ mindestens 1,2 Millimeter (mm) hoch ist. Das gilt aber nur für Verpackungen, die eine Oberfläche von mehr als 80 Quadratzentimeter haben. Bei kleineren Behältnissen genügt ein 0,9 mm hohes „x“. Selbst mit Lupe oder Lesebrille findet man übrigens auf Packungseinheiten mit einer Fläche unter 10 Quadratzentimetern gar keine Zutatenliste.

Nicht jeder Inhaltsstoff ist eine Zutat

Grundsätzlich gilt: Auf der Liste der Inhaltsstoffe müssen mit wenigen Ausnahmen alle Zutaten stehen, die im Lebensmittel enthalten sind. An der Reihenfolge der Auflistung kann man ablesen, welchen Gewichtsanteil die einzelnen Zutaten – zum Zeitpunkt der Herstellung – an dem Lebensmittel hatten. Die Zutat mit dem größten Anteil muss als erste genannt werden, ganz am Ende steht also, wovon am wenigsten drinsteckt.

Aber: Nicht alles, was der Laie für ein Lebensmittel hält, fällt unter diese Kennzeichnungspflicht. Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent brauchen zum Beispiel keine Zutatenliste. Und was ist eine Zutat? Rückstände (auch Rückstände von Allergenen) oder versehentlich ins Produkt gerutschte Inhaltsstoffe gehören laut LMIV nicht dazu und bleiben ungenannt.

Auch solche Stoffe, mit denen das Lebensmittel im Produktionsprozess in Berührung gekommen ist, müssen nicht deklariert werden. Das können Trägerstoffe sein, Enzyme oder auch Zusatzstoffe, die nur der Verarbeitung dienen.

Das ist zum Beispiel für Menschen, die aus ethischen Gründen auf tierische Produkte verzichten möchten, ziemlich ärgerlich. Denn viele Fruchtsäfte werden mithilfe von Fisch- oder Schweinegelatine geklärt. Als Zutat muss Gelatine deklariert werden, als Produktionshilfsstoff aber nicht.

Nicht alle Allergene müssen fett gedruckt werden

Allergene müssen auf der Zutatenliste optisch hervorgehoben werden, also fett gedruckt oder in anderer Farbe. Da der Mensch aber theoretisch auf alles allergisch reagieren kann, schreibt das LMIV diese Markierung „nur“ für die 14 häufigsten Allergieauslöser vor. Nicht gesondert hervorgehoben werden müssen zum Beispiel Zitrusfrüchte, Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe, auf die viele zu Allergien neigende Menschen empfindlich reagieren.