Was die Zunge zeigt und der Puls preisgibt

Bei der chinesischem Pulsdiagnose tastet der Therapeut den Puls am Handgelenk mit drei Fingern. (Foto: F.Schmidt / Fotolia)
Bei der chinesischem Pulsdiagnose tastet der Therapeut den Puls am Handgelenk mit drei Fingern. (Foto: F.Schmidt / Fotolia)

Ganzheitliche Diagnoseverfahren gehören zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

(dbp/nas) Genau hinsehen, zuhören, riechen und tasten – ganzheitlich sind in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) nicht nur die therapeutischen, sondern auch die diagnostischen Verfahren. Der TCM-Therapeut betrachtet den Patienten in seiner Ganzheit und berücksichtigt, dass bei jedem Menschen verschiedene Aspekte miteinander wirken.

Allerdings dürfe man die TCM nicht als ein philosophisches System missverstehen, sagt Professor Dr. Johannes Greten, Präsident der Deutschen Gesellschaft für TCM und Leiter der Heidelberg School of Chinese Medicine. „Die Traditionelle Chinesische Medizin ist ein wissenschaftliches Modell der Systembiologie“, erklärt der Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Zusatzgebieten Naturheilkunde, Homöopathie und Akupunktur. Teile dieses Modells sind unter anderem die Zungen- und die Pulsdiagnostik.

Auf der Zunge ist der ganze Körper abgebildet

Allein das System, das sich der Betrachtung (Inspektion) des Patienten widmet, umfasst rund 1.500 Funktionszeichen, die ein Therapeut erkennen und deuten kann, erklärt Professor Greten. Gesichtsfarbe, Körperhaltung und das Aussehen von Ausscheidungen spielen ebenso eine Rolle wie die Beschaffenheit der Zunge. Die Zungendiagnostik ist ein wichtiges Instrument in der TCM. Auf der Zunge sind alle Regionen des Körpers sozusagen abgebildet – an der Zungenspitze beispielsweise Herz und Lunge.

Das Besondere an der Zunge ist, dass sie nicht von Haut umgeben ist und keine Pigmente enthält, erläutert Professor Greten – „man schaut direkt auf das Funktionsgewebe“. Außerdem kann sie sowohl Flüssigkeiten aufnehmen wie auch ausscheiden. Farbe und Form der Zunge sowie Art und Farbe des Belags geben Aufschluss über die Verfassung des Patienten. Ein dicker, weißer Belag deutet zum Beispiel auf Schleim im Körper hin. Rötungen, Schwellungen oder Risse zeigen Störungen in den entsprechenden Bereichen des Körpers an.

Die Pulsdiagnostik zeigt die „inneren Werte“

Neben den äußerlichen Erscheinungen sind in der TCM aber auch die „inneren Werte“ wichtig, um eine Diagnose zu erstellen. Der Patient wird deshalb auch behorcht und berochen. Der Klang der Stimme oder die Geräusche des Körpers sowie spezifische Gerüche verraten dem Therapeuten viel über den körperlichen und emotionalen Zustand eines Menschen. Beim Betasten ist die Pulsdiagnostik das zentrale Element. Der Puls wird an beiden Handgelenken getastet, jeweils mit drei Fingern. Tiefe, Frequenz, Kraft, Form und Länge der Pulswelle verraten, wie es um die Konstitution bestellt ist, wo Blockaden bestehen, Störungen oder Mängel vorliegen.

Aber auch, wenn die Diagnostik der TCM ein ausgefeiltes System darstellt – „jede Medizin hat Grenzen“, sagt Professor Greten. Er plädiert deshalb dafür, dass die TCM und die westliche Medizin gemeinsam angewandt werden und voneinander profitieren. Zum Wohle des Patienten, der das Beste aus beiden Welten erhalten soll.

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