Warum fernsehen die Ohren stresst

Wenn Werbeblöcke eine Fernsehsendung unterbrechen, wird der Ton oft automatisch lauter - das stresst die Ohren von Menschen mit einer Hörstörung. (Foto: Bilderbox)
Wenn Werbeblöcke eine Fernsehsendung unterbrechen, wird der Ton oft automatisch lauter - das stresst die Ohren von Menschen mit einer Hörstörung. (Foto: Bilderbox)

(dbp/auh) Die Europäische Union der Hörgeräteakustiker (EUHA) weist auf ein interessantes Phänomen hin, das erklärt, warum fernsehen und streamen viele Menschen stresst.

Die Werbewirtschaft hat darauf reagiert, dass viele Zuschauer die Werbeblöcke ignorieren, aber den Ton dabei meist anlassen.

Da man viel schlechter weghören als wegsehen kann, setzt die Werbeindustrie zunehmend auf akustische Reize. Das Gehör wird als Wahrnehmungskanal verstärkt genutzt. „Audio Branding“ (akustische Markenführung) heißt das in der Marketing-Sprache.

Für Menschen, die schlecht hören, ist dies der reinste Stress. Laut EUHA berichten Hörgeräteakustiker immer wieder von Menschen, die darüber klagen, wie anstrengend fernsehen für sie ist. Waren Dokumentarfilme früher die reinste Erholung für Menschen mit einer Hörminderung, so ist es heute das Gegenteil. Selbst Nachrichten seien heutzutage häufig mit zusätzlichen akustischen Effekten versehen.

Harald Bonsel, Vizepräsident der EUHA, empfiehlt allen Betroffenen, sich über geeignete Möglichkeiten zum besseren Hören zu informieren. Ein kostenloser Hörtest gebe Aufschluss über den persönlichen Hörstatus. „Auch eine Versorgung mit Hörsystemen oder Audiotherapie können helfen, dass der Konsum von Fernsehsendungen weiterhin ein Genuss bleibt und nicht in Stress ausartet“, so Bonsel.