Wanted: Der perfekte Papa

Was macht einen modernen Vater aus? Viele Männer sind sich da nicht ganz sicher. (Foto: Bilderbox)
Was macht einen modernen Vater aus? Viele Männer sind sich da nicht ganz sicher. (Foto: Bilderbox)

Warum manche Männer beim Versuch, ein moderner Vater zu sein, ausbrennen

(dbp/spo) Top im Job, ein liebevoller Papa mit viel Zeit, smarter Liebhaber und nebenbei noch kreativer Hobby-Koch – das sind viele Rollen. Der moderne Vater soll sie am besten alle ausfüllen. Eine ungesund stressige Aufgabe, die Perfektionisten auf Dauer in den Burnout treiben kann.

Aktives Vatersein liegt im Trend. Die „neuen“ Väter nehmen am Geburtsvorbereitungskurs teil, sind natürlich bei der Geburt dabei und nehmen sich Elternzeit. Sie schieben Kinderwagen, ohne sich komisch zu fühlen, sie wickeln, gehen auf den Spielplatz und machen Brei warm. Doch die perfekte Welt ist oft nicht von Dauer. Sind die üblichen zwei „Vätermonate“ rum, heißt es: Mit vollem Einsatz wieder an die Arbeit. Und dann beginnt der Stress, das Hamsterrad rotiert – manchmal bis zur Erschöpfung.

Es muss nicht so kommen, schließlich gibt es verschiedene Vätertypen. Dennoch belegen Umfragen, dass die deutschen Väter unter Druck stehen. Laut Statistischem Bundesamt arbeiten Männer mit Kindern in jedem Lebensalter durchschnittlich mehr Wochenstunden als Männer ohne. Jeder dritte Vater ist der Meinung, nicht genug Zeit für seine Kinder zu haben. Geschweige denn für sich selbst.

Welche Rolle spielt der Mann?

All das weiß auch die Hamburger Pädagogin Helen Heinemann. Sie leitet das Institut für Burnout-Prävention, in dem es Kurse speziell für Männer gibt. Und sie weiß auch, warum viele moderne Väter in die Burnout-Falle tappen. Am Anfang nennen ihre Seminarteilnehmer meist die Arbeit als Erschöpfungsfaktor Nummer eins. „Im Laufe des Seminars rutscht der Fokus dann aber auf die Familie“, so Helen Heinemann. Und das hat mehrere Gründe.

Zum einen: Die meisten Väter sehen sich immer noch als Ernährer. Bleibt die Frau zu Hause, stehen sie unter dem Druck, das Familieneinkommen zu sichern. Und das soll bitteschön einen gewissen Lebensstandard bieten. Also arbeiten sie mehr – der Anspruch, Zeit für den Nachwuchs zu haben, ist noch schwerer zu erfüllen. Das schlechte Gewissen wird zum ständigen Begleiter.

Zum anderen sagt Helen Heinemann: „Die Männer sind nicht sozialisiert auf ihre neue Rolle. Sie wissen nicht genau, was ihre Aufgaben sind.“ Schließlich hat ihnen – anders als den Frauen, die häufig selbst emanzipierte, berufstätige Mütter hatten – niemand diese Rolle vorgelebt. Was ist also die Zuständigkeit des Mannes in der modernen Familie, wenn auch die Frauen arbeiten, wenn auch die Frauen Regale aufbauen, wenn die Frauen oft eine engere Bindung zum Kind haben und besser wissen, was der Nachwuchs braucht? Der Einwand „Aber moderne Väter helfen doch im Haushalt mit“ ist für die Psychotherapeutin genau das Problem. „Sie sagen es: Die Väter helfen mit, aber die Verantwortung für den Laden hat die Frau.“

Herausfinden, was einem wichtig ist

Aus ihren Seminaren weiß Heinemann: Mütter leiden unter der Mehrfachbelastung von Familie und Beruf, Väter eher unter der Unsicherheit über ihre Rolle. Sie versuchen alle möglichen Erwartungen zu erfüllen und brennen dabei eben manchmal aus. Sie werden reizbar, schlechter Stimmung, bekommen Konzentrationsprobleme, ständige Infekte, Verspannungen, Kopfweh und Schlafstörungen. Doch was ist die Lösung? Laut Helen Heinemann müssen Betroffene sich zunächst einige Fragen beantworten: „Welche Ansprüche habe ich? Wie will ich leben und was für ein Vater wäre ich gerne?“ Danach können Ideen gesucht werden, wie dem Wunschbild näher zu kommen ist. „Es gibt eine einfache Übung, die man machen kann“, fügt die Expertin hinzu. „Stellen Sie sich vor, Sie sind 96 Jahre alt und blicken zurück auf ihr Leben. Was wollen Sie sehen? So kann man erkennen, was einem am wichtigsten ist.“