Vorsicht nach abgeklungener Erkältung

Der Ratgeber „Herzmuskelentzündung – eine oft unterschätzte Erkrankung des Herzens“ kann bei der Deutschen Herzstiftung kostenlos bestellt werden. (Foto: Deutsche Herzstiftung)
Der Ratgeber „Herzmuskelentzündung – eine oft unterschätzte Erkrankung des Herzens“ kann bei der Deutschen Herzstiftung kostenlos bestellt werden. (Foto: Deutsche Herzstiftung)

Anzeichen für Herzmuskelentzündung sollten nicht übergangen werden.

(dbp/fru) Wenn sich der Herzmuskel entzündet (medizinisch Myokarditis), kommt es zu einer Störung und Schwächung der Kontraktionsfähigkeit des Herzens. Das kann schwerwiegende Folgen haben. „Die Myokarditis wird in erster Linie durch Viren und Bakterien verursacht. In 80% der Fälle wird die Erkrankung durch so genannte Coxsackie-Viren ausgelöst, die auch häufig die Ursache für Erkältungen sind“, erklärt Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK).

Wenn Patienten daher nach einer abgeklungenen Erkältung Herzrasen oder Herzstolpern verspüren oder bereits bei kleinen Anstrengungen in Atemnot geraten, könnten dies möglicherweise Anzeichen einer Myokarditis sein, warnt der Experte. Patienten sollten dann auf Nummer sicher gehen und einen Arzt aufsuchen, um mögliche lebensgefährliche Komplikationen zu vermeiden. Aber auch Adeno-, Influenza-, Masern- und Herpesviren, Bakterien (z. B. Borrelien) und die Erreger von Scharlach und Diphterie sowie Medikamente oder Drogen kämen als Auslöser für eine Herzmuskelentzündung infrage.

Myokarditis wird bei Kindern häufig übersehen

Mit welchen Warnzeichen sich eine Herzmuskelentzündung bemerkbar macht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, darüber informiert auch die Deutsche Herzstiftung in ihrem kostenfreien Ratgeber „Herzmuskelentzündung – eine oft unterschätzte Erkrankung des Herzens“. Gerade bei Kindern sei es wichtig, darauf zu achten, dass eine Erkältung gut ausheilt. „Es ist davon auszugehen, dass bis zum 15. Lebensjahr bei etwa zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine Myokarditis abgelaufen ist“, berichtet der Kinderkardiologe Prof. Dr. med. Herbert E. Ulmer vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. In 80 bis 90 Prozent der Fälle verläuft die Herzmuskelentzündung jedoch mild und wird oft gar nicht bemerkt. Sie heilt dann auch ohne Behandlung meist komplett aus.

Allerdings würden in Deutschland jährlich auch rund 3.500 Kinder und Jugendliche so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bei solch heftigen und mitunter lebensbedrohlichen Verläufen kann es zu Herzschwäche, Atemnot und Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod kommen. Daher ist es wichtig, eine Herzmuskelentzündung rechtzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln.

Sport ist nach einer Herzmuskelentzündung tabu

Eine Herzmuskelentzündung kann auch chronisch werden. In etwa jedem dritten Fall gelingt es dem Körper nicht, die Entzündung im Herzmuskel komplett zu stoppen. Es kann zur Narbenbildung des Herzens und in der Folge zu Herzrhythmusstörungen kommen. In schweren Fällen bleibt die Pumpleistung des Herzens auch auf Dauer geschwächt bis hin zur Herzinsuffizienz. Um den Heilungsprozess optimal zu unterstützen, sollten betroffene Kinder daher während der akuten Erkrankung im Bett bleiben und auch nach einer überstandenen Myokarditis mindestens sechs Wochen lang auf Sport und schwere körperliche Belastungen verzichten. Leistungssport sollte nach einem schweren Verlauf auch auf Dauer unterbleiben.

Je besser Eltern über die Anzeichen und die verschiedenen Verläufe einer Myokarditis Bescheid wissen, umso besser können sie die ärztliche Behandlung unterstützen. Die Herzstiftung empfiehlt deshalb Eltern, ihren Ratgeber zu lesen, damit sie wissen, wie sich die Erkrankung bei Babys und Kleinkindern manifestiert, welche Diagnosemöglichkeiten es gibt oder was es z. B. bei chronischen Verläufen zu beachten gibt. Der Band kann bei der Deutschen Herzstiftung (Tel. 069-955128400 oder E-Mail: bestellung@herzstiftung.de) kostenlos angefordert werden.