Vor Therapiebeginn den Impfschutz überprüfen

Steht die Diagnose Rheuma fest, sollte vor Beginn der medikamentösen Therapie der Impfschutz kontrolliert werden. (Foto: Marco2811 / Fotolia)
Steht die Diagnose Rheuma fest, sollte vor Beginn der medikamentösen Therapie der Impfschutz kontrolliert werden. (Foto: Marco2811 / Fotolia)

Patienten mit chronisch entzündlichem Rheuma sind anfälliger für Infektionen

(dbp/auh) Impfschutz ist besonders wichtig für Menschen, die durch chronische Erkrankungen ohnehin schon geschwächt sind. Das gilt auch für Rheumapatienten. Zum einen sind sie anfälliger für Infektionen, das heißt sie stecken sich schneller an. Zum anderen erwischt es sie meist heftiger, wenn sie sich zum Beispiel eine Grippe „eingefangen“ haben.

Neben den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standard-Impfungen sollten Rheumapatienten daher auch die jährliche Influenza-Schutzimpfung in Anspruch nehmen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) sind darüber hinaus folgende Impfungen wichtig: Pneumokokken, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis), Diphtherie und Meningokokken. Abhängig vom Aufenthaltsort kommt noch die FSME-Impfung hinzu, die vor der von Zecken übertragbaren Frühsommer-Meningoenzephalitis schützt.

Totimpfstoffe sind auch unter Therapie unproblematisch

Alle genannten Impfungen werden mit Totimpfstoffen durchgeführt. Das ist vor allem im Hinblick auf die Medikation von Rheumapatienten wichtig. Denn bei den Wirkstoffen, die zum Beispiel gegen die rheumatoide Arthritis verabreicht werden, handelt es sich um sogenannte Immunsuppressiva, sie dienen also der Unterdrückung des Abwehrsystems. Und – so die Deutsche Rheuma-Liga: Wer eine immunsuppressive Therapie erhält, darf nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden. Totimpfstoffe hingegen dürfen bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auch unter Therapie verwendet werden.

Bei Rituximab kann die Immunantwort ausbleiben

Einen Sonderfall stellt nach Angaben der Deutschen Rheuma-Liga das Medikament mit dem Wirkstoff Rituximab dar, der zu den sogenannten Biologika gehört. „Während einer Therapie mit Rituximab sprechen die Betroffenen auf die Pneumokokken-Impfung nicht gut an“, erläutert Professor Klaus Krüger vom wissenschaftlichen Beirat des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen. Auch bei der Influenza- und der Tetanus-Impfung besteht unter Rituximab die Gefahr, dass sich nicht genug Antikörper bilden und der Impfschutz ausbleibt.

Die DGRh setzt sich dafür ein, dass Rheumapatienten vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie darüber aufgeklärt werden, dass sie dadurch noch infektanfälliger werden. Im Idealfall sollte der Impfschutz von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen aufgefrischt und komplettiert sein, bevor die medikamentöse Therapie eingeleitet wird. „Eine aktive Überprüfung der Impfpässe von Patienten mit rheumatoider Arthritis ist wichtig“, betont die DGRh.

Insbesondere, wenn gegen Masern, Mumps, Röteln und/oder Windpocken kein ausreichender Impfschutz besteht, wäre es am besten, diesen nachzuholen, bevor die Medikamente genommen werden. Das wird praktisch aber kaum möglich sein, weil man dann mehrere Monate mit der Therapie warten müsste. Umso wichtiger ist, dass die Menschen im Umfeld des Rheumapatienten ihn nicht anstecken können, dass sie also rundum impfgeschützt sind (Kokon-Impfungen). Viele Erwachsene denken nicht daran, dass dass sie alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie benötigen.

Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch solche Menschen, die sich sich (noch) nicht impfen lassen können. Dazu gehören auch Säuglinge, für die zum Beispiel eine Keuchhusten-Infektion lebensbedrohlich sein kann.