Von harmlosen Mücken und gefährlichem Rußregen

Die natürliche Alterung macht auch vor dem Augeninneren nicht halt. (Foto: Serg Zastavkin / Fotolia)
Die natürliche Alterung macht auch vor dem Augeninneren nicht halt. (Foto: Serg Zastavkin / Fotolia)

Beeinträchtigungen beim Sehen weisen auf Veränderungen im Augeninneren hin

(dbp/auh) „Mouches volantes“ (fliegende Mücken) nennen Experten die kleinen, wabernden Gebilde, die beim Sehen stören können, aber die Augengesundheit nicht beeinträchtigen. Wer also – vor allem beim Blick auf einen hellen Hintergrund, zum Beispiel beim Lesen – kleine Flusen sieht, die durchs Gesichtsfeld treiben, kann beruhigt sein. Die auch „Floater“ genannte Erscheinung ist in der Regel kein Krankheitszeichen, sondern eines der natürlichen Alterung des Glaskörpers.

Glaskörpertrübungen

Der Glaskörper (Corpus vitreum) nimmt den größten Raum in der Augenhöhle ein. Er besteht zu rund 99 Prozent aus Wasser, darin befinden sich unter anderem Salze, Hyaluronsäure und ein Netz aus Kollagenfasern. „Mit zunehmendem Alter können diese Fasern verklumpen, so dass sie als Punkte oder fadenartige Gebilde sichtbar werden“, erläutert Professor Horst Helbig, Direktor der Regensburger Universitäts-Augenklinik in einer Mitteilung des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA). Der in jungen Jahren glasklare, puddingartige Glaskörper verflüssigt sich etwa ab dem 50. Lebensjahr. So lästig diese Glaskörpertrübungen auch sein mögen – gefährlich sind sie nicht. Beinahe jeder Mensch nimmt sie im Laufe seines Lebens früher oder später wahr. Auch die Sehschärfe verändert sich dadurch nicht.

Glaskörperabhebung

Zur natürlichen Alterung des Glaskörpers gehört auch, dass er sich langsam mit seinen Kollagenfasern von der Netzhaut abtrennt. „Dieser Prozess geschieht meist allmählich und kann sich über Jahre hinweg hinziehen. Manchmal kommt es aber auch ganz plötzlich und schnell zu einer sogenannten hinteren Glaskörperabhebung“, erklärt Professor Anselm Kampik, Direktor der Universitäts-Augenklinik München, beim jüngsten Kongress der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD).

Risiko: Risse in der Netzhaut

Problematisch wird die Glaskörperabhebung, wenn sie nicht vollständig gelingt. Bleiben nämlich einzelne Kollagenfasern des Glaskörpers an der Netzhaut kleben, dann zerrt das Gewicht des Glaskörpers an der Netzhaut. Diese Zugwirkung kann sich dadurch äußern, dass man helle Lichtblitze sieht, sowohl mit offenen als auch mit geschlossenen Augen. In dem Fall sollte man umgehend vom Augenarzt kontrollieren lassen, ob die Netzhaut bereits Löcher oder Einrisse bekommen hat.

Wenn ein solcher Riss durch ein Blutgefäß verläuft, kommt es zu winzigen Blutungen. Die sich im Auge verteilenden Blutpartikel erscheinen einem wie ein Rußregen. Wer also schwarze Flocken rieseln sieht, sollte sich unverzüglich in augenärztliche Behandlung begeben. Rasches Handeln ist wichtig, denn Risse und Löcher können mittels Laser verschlossen werden, solange sich die Netzhaut noch nicht abgehoben hat. Eine unbehandelte Netzhautablösung führt immer zur Erblindung.

Übrigens: Bleibt der Glaskörper im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens, der Makula, an der Netzhaut stellenweise haften, können Zugkräfte entstehen, die die Netzhaut in ihrer Struktur verändern. Dadurch kommt es laut Professor Kampik zu ähnlichen Sehstörungen wie bei der feuchten Makuladegeneration: Gerade Linien erscheinen krumm und verzerrt. Für dieses sogenannte „vitreomakuläre Traktionssyndrom“ gibt es eine neue medikamentöse Behandlungsoption: Der Wirkstoff Ocriplasmin wird direkt in den Glaskörper gespritzt und führt zur störungsfreien Ablösung von der Netzhaut.