Vom OP-Tisch direkt nach Hause

Dank moderner Behandlungsmethoden dürfen viele Patienten kurz nach einer Operation wieder nach Hause fahren. (Foto: Olly/Fotolia)
Dank moderner Behandlungsmethoden dürfen viele Patienten kurz nach einer Operation wieder nach Hause fahren. (Foto: Olly/Fotolia)

Viele Eingriffe können inzwischen genauso gut ambulant durchgeführt werden

(dbp/spo) Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist für manche eine schlimme Vorstellung: die ungewohnte Umgebung, der hektische Klinikalltag, ständig wechselndes Personal. Viele Operationen können jedoch auch ambulant durchgeführt werden – mit genauso hohen Qualitätsstandards und entscheidenden Vorteilen für den Patienten.

Ambulant heißt: Der Patient verbringt die Nacht vor und nach der Operation zu Hause, nur für die Stunden des Eingriffs fährt er in die Praxis eines niedergelassenen Facharztes, in eine Praxisklinik oder ins Krankenhaus. Wer befürchtet, das sei weniger sicher als ein vollstationärer Aufenthalt, kann sich entspannen: Ambulante Operationen sind strengen Richtlinien unterworfen.

Nicht alles darf ambulant operiert werden. Die erlaubten Eingriffe sind in einem Katalog aufgelistet, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zusammengestellt haben. Dieser Katalog umfasst mehrere hundert Eingriffe. Dank moderner Narkoseverfahren und minimalinvasiver Verfahren ist die Tendenz weiter steigend.

Hammerzeh, Leistenbruch und Nierenstein

Zu den häufigsten ambulanten Operationen in Deutschland gehören laut KBV arthroskopische Gelenkoperationen an Schulter, Knie und Hand, Operationen von Knochenbrüchen, der Füße (Hammerzehen, Hallux valgus), eines Leistenbruchs, von Krampfadern und Hauttumoren. Auch Kiefer-OPs und Nierensteinzertrümmerungen werden sehr oft ambulant durchgeführt.

Für das ambulante Operieren benötigen Vertragsärzte eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung. Dafür müssen bestimmte Qualitätsstandards eingehalten werden – etwa, was die räumliche und technische Ausstattung, die Hygiene und das Personal betrifft.

Die Betreuung zu Hause ist wichtig

Ob jemand überhaupt ambulant behandelt werden kann, hängt aber vor allem von seinem Gesundheitszustand ab, so der Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO). Leidet jemand unter Bluthochdruck oder chronischen Erkrankungen, kann das trotzdem ein Grund für eine stationäre Aufnahme sein. Gleiches gilt für Patienten, die psychisch nicht stabil sind. Voraussetzung ist auch, dass es eine Begleitperson gibt, die den Betroffenen bringt, wieder abholt und in den 24 Stunden nach dem Eingriff zu Hause betreuen kann.

Die Vorteile einer ambulanten Operation liegen auf der Hand: Die Patienten sind nur kurz in der Praxis oder Klinik, deshalb sinkt die Gefahr von Krankenhausinfektionen. Sie können sich in Ruhe in den eigenen vier Wänden erholen – und das geht oft schneller. Außerdem haben sie ein Mitspracherecht bei der Wahl des Termins und können bestimmen, wer sie operieren soll. Der Operateur übernimmt häufig auch die Vor- und Nachsorge.

Und das scheint gut zu funktionieren, wie eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern und des BAO aus dem Jahr 2010 zeigt: 97,5 Prozent der darin befragten Patienten bewerteten ihren Eingriff im Nachhinein als „sehr gut“ oder „gut“. 95,5 Prozent würden sich erneut ambulant operieren lassen.