Vom Läufer zum Patient?

Zerrungen und Muskelfaserrisse sind häufige Verletzungen bei Freizeitsportlern. (Foto: Adam Gregor / Fotolia)
Zerrungen und Muskelfaserrisse sind häufige Verletzungen bei Freizeitsportlern. (Foto: Adam Gregor / Fotolia)

Wer zu schnell zu viel erreichen will, riskiert Verletzungen.

(dbp/kmh) Die Deutschen sind Spitzenreiter in der europäischen Laufbewegung. Jeder achte Bundesbürger entdeckt in jungen oder späteren Jahren den Laufsport für sich. Insbesondere bei Frauen ist die Tendenz steigend und schon heute sind 40 Prozent der Läufer weiblich.

Selbst Marathon und Halbmarathon sind keine unerreichbaren Disziplinen. Doch wer es wirklich ernst meint, braucht eine genaue und individuelle Vorbereitung auf derartige Langdistanzen. „Der Schmerzmittelkonsum während eines Marathons ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Statistiken zufolge nimmt mehr als die Hälfte aller Teilnehmer etwas ein, weil sie sich mit akuten oder chronischen Beschwerden durchs Laufen kämpfen“, erklärt Professor Gert-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Orthopädie und Biomechanik an der Kölner Sporthochschule. Die Kosten für Prothesen und Behandlungen von Sportverletzungen liegen bei geschätzten dreieinhalb Milliarden Euro jährlich.

Risikofaktoren für Laufverletzungen

Laufen ist gesund, keine Frage. Doch bestimmte Faktoren erhöhen das Verletzungsrisiko. Wer stark übergewichtig ist, sollte seinen Knien zuliebe nicht joggen, sondern besser zunächst walken. Denn beim Laufen bewirkt der sogenannte „Impact Factor“ einen ständigen Stoß auf die Kniegelenke. Diese Belastungen potenzieren sich und können zu akutem Knorpelversagen führen. Ähnliches gilt für Menschen ab der fünften oder sechsten Lebensdekade. Hier treten Knieverletzungen besonders häufig auf.

Bei so gut wie allen Laufverletzungen sind allerdings eher die falsche Technik und ungünstige Trainingsmethoden die größte Ursache, nicht der Laufschuh, wie oft vermutet wird. Auch Genetik (Lauftalent) und Geschlecht spielen eine Rolle. Das Verletzungsrisiko ist für Frauen statistisch höher als für Männer. Ferner können Vorerkrankungen oder verschleppte Verletzungen zu ernsten Problemen führen.

In drei Monaten fit für den Marathon? Nein!

„Das Prinzip des höher, schneller, weiter, birgt Verletzungsgefahren. Ebenso blumige Versprechen, mittels dreimonatigem Training fit für einen Marathon zu werden“, erklärt Professor Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin, an der Kölner Sporthochschule. Je länger die Laufdistanz und je höher die Geschwindigkeit, desto größer ist das Verletzungsrisiko. „Besonders häufig zeigt sich dies bei Managern in den mittleren Lebensjahren, die mit minimalem Aufwand eine Langdistanz bewältigen wollen“, erklärt Professor Predel.

Um dauerhaft Spaß am Laufsport zu haben und möglichst verletzungsfrei zu bleiben, empfehlen alle Experten, einen gründlichen Check und individuelle, realistische Zielsetzungen. Bereits eine viertel Stunde moderate Bewegung täglich ist ein guter Anfang, mehr Aktivität in den Alltag zu bringen. Sinnvoll ist zudem, einen erfahrenen Lauftrainer zu Rate zu ziehen. „Viele Läufer machen den Fehler, nicht auf dem ganzen Fuß zu laufen und richtig abzurollen. Doch dafür ist die Anatomie des Fußes geschaffen“, erklärt Professor Brüggemann. Im Hinblick auf Laufschuhe haben sich mittlerweile für die meisten Sportler Neutralschuhe bewährt, erklären die Experten. Wer also gesund und moderat trainiert, hat tatsächlich die Chance, beispielsweise vom Patient zum Läufer zu werden und nicht umgekehrt.

3 Kommentare zu "Vom Läufer zum Patient?"

  1. Torsten Fleischer sagte am :

    Hallo,

    danke für den Beitrag. Basiert er auf den Erkenntnissen von Herrn Univ. Prof. Dr. Gert-Peter Brüggemann?

    Beste Grüße,

    Torsten Fleischer
    Personal Trainer Berlin

  2. Andrea Ulrich sagte am :

    Sehr geehrter Herr Fleischer, vielen Dank für Ihren Kommentar. Herr Prof. Brüggemann, der auch im Text erwähnt wird, war einer der Referenten beim 2. Kölner Abend der Sportwissenschaft, der am 5. November 2012 in der Sporthochschule Köln stattfand und an dem unsere Autorin teilgenommen hat. Ich hoffe, das klärt Ihre Frage.

  3. Micha72 sagte am :

    Hi,

    cooler und echt informativer Bericht.

    Und ich weiß, von was ich schreibe! ;-((

    Ich quäle mich schon seit Jahren mit dem Thema Zerrungen herum.

    Vielleicht interessiert ihr Euch ja auch weiter für das Thema. Hab vor kurzem einen – wie ich finde – tollen Artikel hierzu gefunden, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.

    Zerrungen – vorbeugen und behandeln

    Könnt ja zurück posten, wie ihr den Artikel findet.

    Grüße

    Micha

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