Volkskrankheit Parodontitis

Bei einer Kontrolluntersuchung kann der Zahnarzt eine mögliche Parodontitis relativ einfach mit Hilfe des sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI) feststellen. (Foto: proDente / Dirk Kropp)
Bei einer Kontrolluntersuchung kann der Zahnarzt eine mögliche Parodontitis relativ einfach mit Hilfe des sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI) feststellen. (Foto: proDente / Dirk Kropp)

Anfangs verursacht die Zahnbetterkrankung keine Schmerzen.

(iwg/fru) In der Mundhöhle jedes Menschen befinden sich Bakterien. Sie bilden mit anderen Mikroorganismen die Mundflora. Nehmen die Bakterien allerdings überhand – zum Beispiel durch nicht entfernten Zahnbelag (Plaque), kann die Mundflora gestört werden und gerät ins Ungleichgewicht. Dann können sowohl Karies als auch Erkrankungen des Zahnhalteapparates entstehen. Der Zahnhalteapparat (Parodont) ist die Struktur, die die Zähne trägt. Sie besteht aus den Knochen und einem Faserapparat. Wenn eine Entzündung entsteht und bis ins Zahnbett gelangt, spricht man von einer Parodontitis. Diese macht sich z. B. durch Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder beim Beißen in einen Apfel bemerkbar.

Schleichende Entwicklung

„Eine Parodontitis beginnt meist bereits in jungen Jahren. Sie entwickelt sich immer aus einer Zahnfleischentzündung, also einer Gingivitis, und schreitet in der Regel nur langsam fort“, erklärt Dr. Sonja Sälzer vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein auf den Seiten der Initiative proDente. Anfangs gehe die Erkrankung nur selten mit Schmerzen einher, weswegen sie von Patienten häufig unbemerkt bleibt. Gerötetes oder entzündetes Zahnfleisch, Zahnfleischbluten, Mundgeruch sowie Zahnfleischrückgang können typische Symptome sein. Häufig wird die Krankheit allerdings übersehen und deshalb nicht oder zu spät behandelt. Insbesondere bei Rauchern fehlt oft das Warnzeichen des Zahnfleischblutens, weil sie eine schlechtere Durchblutung haben.

Unbehandelt kann eine Parodontitis aber zu freiliegenden Zahnhälsen, Eiter und Zahnlockerung bis hin zum Zahnverlust führen. Ab dem 50. Lebensjahr gehen im Durchschnitt mehr Zähne durch eine Parodontitis verloren als durch Karies. Insgesamt kann man bei der Parodontitis von einer Volkskrankheit sprechen, denn rund 80 Prozent der Deutschen leiden daran bzw. an dessen Vorstufen. Zahnärzte können eine mögliche Parodontitis mit Hilfe des sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI) ganz einfach feststellen. Bei dieser Kontrolluntersuchung wird das Zahnfleisch mit einer Sonde abgetastet und dabei die Tiefe der Zahnfleischtaschen kontrolliert sowie mögliche Blutungen festgestellt.

Behandlung verfolgt zwei Hauptziele

Die Therapie einer Parodontitis verfolgt laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) zwei Hauptziele: die Entzündung stoppen und das Gewebe, das die Zähne stützt, dauerhaft zu erhalten. Dabei sei es entscheidend, in welchem Stadium der Patient zur Behandlung kommt. In einem frühen Stadium reicht oft eine Basistherapie aus, um die Entzündung zum Abklingen zu bringen. „Ist die Krankheit bereits weiter fortgeschritten oder hat die Basistherapie nicht die gewünschte Wirkung erzielt, sind zusätzlich chirurgische Eingriffe erforderlich“, erklärt die KZBV.

Bei der Basistherapie reinigt der Zahnarzt unter örtlicher Betäubung zunächst die Zahnfleischtaschen mit Handinstrumenten, um weiche und harte Beläge zu entfernen. Anschließend werden die erreichbaren Flächen der Zahnwurzeln geglättet, was ein erneutes Anheften von schädlichen Bakterien erschwert. Bei schweren Verläufen ist unter Umständen eine begleitende Antibiotika-Behandlung sinnvoll. Wenn besonders tiefe Zahnfleischtaschen vorliegen, ist meistens ein chirurgischer Eingriff notwendig, bei dem unter örtlicher Betäubung die Wurzeloberflächen freigelegt und gereinigt werden.