Viele Krankheitskosten sind Privatsache

Weder gesetzliche noch private Krankenkassen übernehmen sämtliche Krankheitskosten. Zusatzversicherungen können sich im Einzelfall lohnen. (Foto: Tatjana Balzer / Fotolia)
Weder gesetzliche noch private Krankenkassen übernehmen sämtliche Krankheitskosten. Zusatzversicherungen können sich im Einzelfall lohnen. (Foto: Tatjana Balzer / Fotolia)

Zusatzversicherungen für Brille, Zahn & Co. sollten genau durchkalkuliert werden

(dbp/auh) Viele ältere Menschen können sich noch an die Zeiten erinnern, in denen die gesetzlichen Krankenkassen keine Wünsche offen ließen. Brillen, Nasentropfen bei Erkältung, ja sogar Fahrten zum Arzt – alles war mal Kassenleistung. Den Anfang vom Ende der „Vollkaskomentalität“ im Gesundheitswesen markierte im Jahr 1977 das Krankenversicherungs-Kostendämpfungsgesetz. Ihm folgten bis heute mehr als zwei Dutzend weitere Gesetze, die immer mehr Leistungen aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen herausnahmen.

Besonders einschneidend waren im Jahr 2004 die Veränderungen, die das „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung“ mit sich brachte. Ersatzlos gestrichen wurde beispielsweise das Sterbegeld, das bis dahin den Hinterbliebenen von gesetzlich Krankenversicherten zustand. Auch gibt es für erwachsene Brillenträger seitdem keinen Zuschuss mehr, wenn sie eine neue Sehhilfe benötigen.

Für Normal- und Geringverdiener können die Mehrkosten, die im Krankheitsfall auf sie zukommen, eine erhebliche Belastung darstellen. Eine mögliche Vorsorgestrategie ist der Abschluss privater Zusatzversicherungen. Die Angebotspalette auf diesem Markt ist enorm und reicht von einer Brillenversicherung, die es schon für zehn Euro Beitrag im Jahr gibt, bis zur „Schwere-Krankheiten-Vorsorge“ für bis zu 2.500 Euro jährlich.

Wichtig: Pflege- und Auslandskrankenversicherung

Es gibt zwei Arten von privaten Zusatzversicherungen, die von Verbraucherschützern und Gesundheitsexperten grundsätzlich empfohlen werden: Die private Pflegezusatzversicherung und – zumindest bei Reisen in Länder außerhalb der Europäischen Union – die Auslandskrankenversicherung. Bei allen anderen Versicherungen geben individuelle Vorlieben und die persönliche Situation den Ausschlag. Nicht jeder gesetzlich Versicherte wünscht sich eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder die Kostenübernahme für alternative Heilmethoden.

Es bleibt immer ein Eigenanteil

In jedem Fall sollte man vor dem Abschluss die Bedingungen genau studieren, denn meist zahlt auch die private Versicherung nur einen Zuschuss zu den realen Kosten. „Vollkasko“ gibt es nur bei der KFZ-Haftpflicht. Beispiel Zahnzusatzversicherung: Zahnersatz ist teuer. Aus der gesetzlichen Krankenversicherung bekommt der Patient einen Festkostenzuschuss. Dieser deckt im günstigsten Fall etwa die Hälfte der realen Kosten ab. Bei einer Zahnzusatzversicherung, die den Festbetrag verdoppelt, wird also lediglich die Standardversorgung komplett bezahlt.

Sparen kann sinnvoller sein

Beachten sollte man auch, dass einige Versicherer erst mehrere Jahre nach Abschluss die vollen vereinbarten Leistungen zahlen. Wer zum Beispiel für eine Zahnersatzversicherung 25 Euro monatlich bezahlt, die aber bis zum Ende des vierten Versicherungsjahres nur einen Höchstbetrag von 720 Euro erstattet, kann sich leicht ausrechnen, dass das Geld im Sparschwein besser aufgehoben wäre.

Auch bei einer Krankenhauszusatzversicherung lohnt sich ein genauer Blick ins Kleingedruckte. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erläutert: „In der Regel werden die Kosten bis zum 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte übernommen. Sind die Sätze im Krankenhaus höher, müssen Versicherte die Mehrkosten aus eigener Tasche bezahlen.“ Die Experten raten allen, die lediglich Wert auf ein Einzelzimmer legen, mal nachzurechnen, ob es nicht günstiger ist, wenn sie einfach den Aufpreis dafür privat bezahlen, statt gleich eine Versicherung abzuschließen.