Vermehrten nächtlichen Harndrang ernst nehmen

Häufiges Wasserlassen in der Nacht (sogenannte Nykturie) kann einem den Schlaf rauben und führt so zu Tagesmüdigkeit und gemindertem Leistungsvermögen. (Foto: Fotolia / Edler von Rabenstein)
Häufiges Wasserlassen in der Nacht (sogenannte Nykturie) kann einem den Schlaf rauben und führt so zu Tagesmüdigkeit und gemindertem Leistungsvermögen. (Foto: Fotolia / Edler von Rabenstein)

(dbp/fru) Wenn sich die nächtlichen Toilettengänge zum Wasserlassen häufen, sollte man das nicht auf die leichte Schulter nehmen und womöglich auf das Alter schieben.

Das im Fachjargon „Nykturie“ genannte Leiden betrifft übrigens gleichermaßen Männer wie Frauen. „Fälschlicherweise wird Nykturie in der Bevölkerung vielfach als eine unvermeidbare Alterserscheinung, vorrangig des Mannes, abgetan, obwohl es der Abklärung der individuellen Ursachen bedarf“, sagt Prof. Dr. Kurt Miller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU).

Nur Symptom und keine eigenständige Erkrankung

Die Folgen der regelmäßigen Unterbrechung des Nachtschlafes zum Wasserlassen werden häufig unterschätzt. Schlafstörungen führen z. B. oft zu Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwächen und einer allgemeinen Verminderung der geistigen Leistung. In manchen Fällen können auch Depressionen die Folge sein.

Die nächtlichen Toilettengänge sind häufig ein Alarmsignal, das auf eine eigenständige, behandlungsbedürftige Erkrankung hinweist. Die Nykturie selbst stellt dafür lediglich ein Symptom dar. So kommen als Ursache z. B. eine Störung der Harnblase, chronische Infekte der unteren Harnwege, eine überaktive Blase und bei Männern auch eine vergrößerte Prostata infrage. Auch ein Diabetes, ein erhöhter systolischer Blutdruck oder Störungen der Nierenfunktion können sich, ebenso wie Medikamente, auf die Urinproduktion auswirken.

Schnarchen, das mehr als die Hälfte aller Männer betrifft, und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) sind eng verbunden mit der Nykturie, die sogar als ein Leitsymptom des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms gilt. Wird diese gefährliche Schlafstörung effektiv behandelt, so bessert sich auch der Drang zum nächtlichen Wasserlassen. Auch Übergewicht wird als Risikofaktor für Nykturie betrachtet.