Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Meistens sind es Frauen, die Angehörige pflegen. (Foto: Fotolia / De Visu)
Meistens sind es Frauen, die Angehörige pflegen. (Foto: Fotolia / De Visu)

Die Familienpflegezeit berücksichtigt die individuelle Pflegesituation.

(iwg/fru) Es gibt in Deutschland viele Herausforderungen in der Pflege: Es gibt zu wenig Pflegekräfte, die Bezahlung des Pflegepersonals in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Pflegediensten müsste besser sein, die Pflegeversicherung ist unterfinanziert, etc. Der Grund, warum das Pflegesystem hierzulande momentan nicht vollkommen kollabiert, ist das unermüdliche Engagement der pflegenden Angehörigen. Sie stellen damit Deutschlands größten Pflegedienst dar. Und die meisten von ihnen sind selbst noch nicht im Rentenalter.

Fast zwei Drittel der Pflegenden sind Frauen

Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) sind fast zwei Drittel der Pflegenden Frauen, gut ein Drittel sind Männer. Eine Kündigung, um Angehörige zu pflegen, bedeutet für Pflegende nicht nur weniger Einkommen und geringere Rentenansprüche, sondern beeinträchtigt die Chance, bei einem späteren Wiedereinstieg in die Arbeitswelt die Karriere auf demselben Niveau weiterzuverfolgen. Zudem ist die längerfristige Pflege eines Angehörigen mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden. Deshalb hat der Gesetzgeber Regelungen erlassen, die es pflegenden Angehörigen ermöglichen soll, ihren Job zu behalten.

„Mit dem Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, das am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist, wurden die bestehenden Regelungen im Pflegezeit- und im Familienpflegezeitgesetz miteinander verzahnt und weiterentwickelt“, heißt es vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Insbesondere die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Familienpflegezeit sowie auf eine teilweise Freistellung von bis zu 24 Monaten bei einer Mindestarbeitszeit von15 Wochenstunden, ist im Vergleich zu früheren Regelungen zum Vorteil der pflegenden Angehörigen ausgelegt.

Familienpflegezeit beruht auf drei Säulen

Laut BMFSFJ besteht die Familienpflegezeit aus drei Säulen und berücksichtigt damit die Individualität jeder Pflegesituation. Erstens können Beschäftigte im Akutfall eine 10-tägige Auszeit mit Lohnersatzleistung (Pflegeunterstützungsgeld) nehmen, wenn sie kurzfristig eine neue Pflegesituation für einen nahen Angehörigen organisieren müssen. „Das Pflegeunterstützungsgeld wird bei der Pflegeversicherung der zu pflegenden Person beantragt und gibt Familien die Möglichkeit, sich im Akutfall um ihre pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern, ohne sich um den Lohnausfall sorgen zu müssen“, erklärt das BMFSFJ.

Für Beschäftigte in einem Betrieb mit mehr als 15 Mitarbeitern, besteht als Zweites die Möglichkeit einer sechsmonatigen, vollständigen oder teilweisen Freistellung (Pflegezeit) nach dem Pflegezeitgesetz mit einem zinslosen Darlehen. Dieser Anspruch besteht auch für die Begleitung von nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase. Das zinslose Darlehen kann direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden und wird in monatlichen Raten ausgezahlt. Es deckt grundsätzlich die Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts ab.

Wer sich über einen noch längeren Zeitraum um einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung kümmern muss und in einem Betrieb mit mehr als 25 Beschäftigten arbeitet, kann eine Freistellung von bis zu 24 Monaten bei einer verbleibenden Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden beantragen. Diese kann auch für die außerhäusliche Betreuung von minderjährigen pflegebedürftigen nahen Angehörigen beantragt werden.