Ursache für Magenkrebs nicht gänzlich geklärt

Magenkrebs ist zwar nicht häufig, aber häufig tödlich. Nur ein knappes Drittel der Erkrankungsfälle wird im Frühstadium erkannt. (Foto: ag visuell / Fotolia)
Magenkrebs ist zwar nicht häufig, aber häufig tödlich. Nur ein knappes Drittel der Erkrankungsfälle wird im Frühstadium erkannt. (Foto: ag visuell / Fotolia)

Der Keim Helicobacter pylori spielt eine große Rolle – aber nicht bei jedem Infizierten

(dbp/auh) Magenkrebs wird immer seltener. In Deutschland sinkt die Zahl der Neuerkrankungen von Jahr zu Jahr. Auch die Zahl der Menschen, die jährlich an Magenkrebs versterben, geht stetig zurück. Diese Entwicklung zeigt sich nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) auch in anderen Industrienationen.

Experten sehen zwei Hauptursachen für diesen Trend: Zum einen die veränderten Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und zum anderen die sinkende Zahl von Infektionen mit dem Magenkeim Helicobacter pylori.

Kühlschränke retten Leben

Was genau mit den „veränderten Ernährungs- und Lebensgewohnheiten“ gemeint ist, wird so manchen überraschen: Es ist in erster Linie die flächendeckende Einführung des Kühlschranks ab Mitte der 1950-er Jahre. Zuvor mussten viele Lebensmittel zum Konservieren stark gesalzen, geräuchert oder gepökelt werden. Beim Pökeln werden Nitrat- und Nitritsalze verwendet, die bei Erwärmung oder im Magen zusammen mit anderen Nahrungsbestandteilen Nitrosamine bilden können. Nitrosamine werden als stark krebserregend eingestuft.

Die Deutsche Krebsgesellschaft erklärt in ihrem „Strategieplan Krebs“ von 2009: „Durch die Einführung des Kühlschranks sank die Magenkrebssterblichkeit in Deutschland innerhalb von 50 Jahren um vier Fünftel auf heute rund 13.000 Opfer. Ausgehend von der Mortalitätsrate um 1955 verhindert der Kühlschrank demnach jährlich etwa 50.000 Krebstote.“

Weitere Ernährungs- und Lebensstilfaktoren, die das Magenkrebsrisiko erhöhen, sind vitaminarme Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum und das Rauchen. Dagegen kann man etwas tun, anders als bei der Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori.

Jedem sein eigener Bakterienstamm

Das Bakterium Helicobacter pylori wird zurzeit als der wichtigste Risikofaktor für Magenkrebs angesehen. Der Keim siedelt sich in der Magenschleimhaut an. Dort kann ihm die Magensäure, die Bakterien abtötet, nichts anhaben. Sehr viele Menschen sind mit Helicobacter pylori infiziert. Weltweit im Durchschnitt jeder zweite. Die allermeisten Infizierten haben keine Probleme mit ihrem Gast. Längst nicht bei jedem „Wirt“ nistet sich das „Wirtstier“ dauerhaft in der Schleimhaut ein und setzt die Entzündungsprozesse in Gang, die zu Geschwüren und Tumoren führen können.

Nur bei 10 bis 20 Prozent der Infizierten treten Beschwerden auf. Im neuen Themenheft der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) mit dem Titel „Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre“ erklären die Autoren, warum das so ist: Helicobacter pylori gehört zu den Bakterienspezies mit der höchsten genetischen Vielfalt. Praktisch jede infizierte Person trägt ihren individuellen Stamm. Mancher ist eher harmlos, ein anderer ist äußerst aggressiv.

Wenn nun ein besonders aggressiver Bakterienstamm auf eine besonders ungünstige genetische Veranlagung oder anderweitige Risikokonstellation der Wirtsperson trifft, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung. Voraussagen lässt sich das aber nicht. Deshalb bringt es auch nichts, quasi als Früherkennungsuntersuchung, alle Menschen auf Helicobacter zu testen.