Urlaub von der Pflege: Was die Kasse zahlt

Finanzielle Hilfen aus der Pflegeversicherung können unter bestimmten Voraussetzungen auch für den Urlaub genutzt werden. (Foto: Eisenhans/Fotolia)
Finanzielle Hilfen aus der Pflegeversicherung können unter bestimmten Voraussetzungen auch für den Urlaub genutzt werden. (Foto: Eisenhans/Fotolia)

Zuschüsse aus der Pflegeversicherung clever einsetzen

(dbp/spo) Wer rund um die Uhr einen Angehörigen zu Hause pflegt, braucht ab und zu eine Auszeit. Das erkennt auch der Gesetzgeber an und gewährt für die Ersatzpflege Zuschüsse im Rahmen der Pflegeversicherung – allerdings nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Für längstens vier Wochen im Jahr gibt es zum Beispiel Zuschüsse von maximal 1.550 Euro aus der Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI). Dieser Anspruch besteht, wenn die Pflegeperson wegen Urlaub, Krankheit oder anderer Gründe ausfällt und zu Hause ein Ersatz gebraucht wird. Mindestens sechs Monate muss die verhinderte Person ihren Schützling vorher schon gepflegt haben, damit die Pflegekasse den Zuschuss bezahlt. Ist die Ersatzperson mit dem Pflegebedürftigen eng verwandt, wird jedoch nur ein Betrag in Höhe des Pflegegeldes gezahlt.

Eine Verhinderung kann auch nur stundenweise vorliegen und bezuschusst werden – in diesem Fall wird sogar das volle Pflegegeld weitergezahlt. Bei einer tageweisen Verhinderung fließt zumindest die Hälfte des Pflegegeldes weiter.

Die Zuschüsse aus der Verhinderungspflege werden oft genutzt, wenn Pflegeperson und Schützling gemeinsam in den Urlaub fahren wollen. Gudrun Matusch, Pflegeexpertin von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, rät allerdings, vorher mit der zuständigen Pflegekasse abzusprechen, ob bei der Form der Reise und der Ersatzpflege vor Ort tatsächlich ein Anspruch auf Zuschüsse besteht – also, ob zum Beispiel tatsächlich eine Verhinderung vorliegt, wenn beide in einem Zimmer wohnen.

Tipp: Betreuungsbeträge sammeln

Neu ist seit 2013, dass auch Menschen, die zwar keine Pflegestufe, aber eine sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz haben (landläufig: „Pflegestufe 0“), die Leistungen der Verhinderungspflege in Anspruch nehmen können. Gemeint sind damit vor allem Demenzkranke, die körperlich noch fit sind, aber trotzdem Betreuung brauchen.

Diese Menschen haben zusätzlich noch Anspruch auf einen Betreuungsbetrag von 100 Euro im Monat – bei großem Betreuungsbedarf 200 Euro (§ 45b). Dieses Geld kann für sogenannte niedrigschwellige Betreuungsleistungen verwendet werden, zum Beispiel die Teilnahme an einer Gruppe für Demenzkranke. Das Gute daran: Nicht genutzte Betreuungsbeträge können übers Jahr gesammelt und zum Beispiel für einen gemeinsamen Urlaub verwendet werden. „Das ist eine sinnvolle Sache“, sagt Gudrun Matusch. Allerdings müssen die Angebote am Ferienort von den Kassen anerkannt sein.

Kurzzeitpflege am Urlaubsort

Eine weitere Möglichkeit, Zuschüsse für die Pflege im Urlaub zu bekommen, ist die Kurzzeitpflege (§ 42). Hier gibt es ebenfalls für maximal vier Wochen im Jahr maximal 1.550 Euro, die verwendet werden können, um den Pflegebedürftigen vorübergehend in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung aufzunehmen. Das kann auch am gemeinsamen Urlaubsort passieren. In der Regel wohnt die Pflegeperson dann in einem Hotel oder einer Pension.

Wer sich im Vorfeld gut informiert und seine Ansprüche clever abruft, bekommt zumindest einen Teil der Pflege- und Betreuungskosten im Urlaub bezahlt. Beratung zu möglichen Zuschüssen gibt es bei den Pflegestützpunkten. Auch erfahrene Reiseanbieter können Urlaubsinteressenten wertvolle Tipps geben.