Unverhofft kommt oft

Ein Pflegefall kann auch sehr plötzlich z. B. nach einem Unfall, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt eintreten. (Foto: Picture-Factory / Fotolia)
Ein Pflegefall kann auch sehr plötzlich z. B. nach einem Unfall, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt eintreten. (Foto: Picture-Factory / Fotolia)

Was tun bei plötzlicher Pflegebedürftigkeit?

(dbp/fru) In der Regel zeichnet sich eine Pflegebedürftigkeit über einen längeren Zeitraum ab. Aufgrund fortschreitenden Alters oder einer Erkrankung sind Menschen dann auf Hilfe und Pflege im Alltag angewiesen. Meistens übernehmen das die Angehörigen – was von vielen Betroffenen auch so gewünscht wird. In solchen Fällen kann man sich auf die Situation vorbereiten und in Ruhe alle Schritte durchdenken.

Was aber tun, wenn der Pflegefall unmittelbar eintritt, z. B. nach einem Unfall, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt? Auch in solchen Ausnahmesituationen ist es wichtig zu wissen, dass man nicht alleine ist und Ansprüche auf Hilfeleistungen hat. Auch durch den Dschungel von Anträgen muss man sich nicht alleine kämpfen.

Antrag auf Pflegeleistungen stellen

Pflegebedürftige haben einen gesetzlichen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Deshalb sollte der allererste Schritt eine Antragstellung auf Pflegeleistungen bei der zuständigen Pflegekasse sein. Dies ist auch deshalb wichtig, weil die Pflegekassen erst ab dem Tag zahlen, an dem der Antrag eingegangen ist. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät dazu, als Antrag zunächst ein formloses Schreiben aufzusetzen oder zumindest einen entsprechenden Anruf zu tätigen. Die Kasse sendet daraufhin die ausführlichen Antragsformulare an den Pflegebedürftigen. Dabei sollte man beachten, dass der Antrag immer im Namen des Pflegebedürftigen erfolgen und von diesem selbst unterschrieben werden muss. Nur wenn eine Vollmacht vorliegt, können das auch Angehörige übernehmen.

Nachdem der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen ist, wird dieser zunächst entsprechend geprüft. Anschließend muss der Grad der Pflegebedürftigkeit des Patienten festgestellt werden. Hierzu wird vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ein Gutachter entsendet, der eine solche Prüfung vor Ort durchführt. Ab 2017 wird die Einteilung des Grades der Pflegebedürftigkeit neu definiert. Das heißt, dass keine Einteilung mehr in Pflegestufen erfolgt, sondern in neu definierte Pflegegrade.

Pflegeberatung einholen

Laut dem Pflegeratgeber des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1. Januar 2016 auch pflegende Angehörige und weitere Personen, z. B. ehrenamtliche Pflegepersonen, einen eigenständigen Anspruch auf Pflegeberatung. Voraussetzung hierfür sei die Zustimmung des Pflegebedürftigen. Mittlerweile wurden in vielen Bundesländern und Kommunen entsprechende Pflegestützpunkte eingerichtet.

Die Pflegeberaterinnen und Pflegeberater können auf Wunsch die Beratung auch zu Hause und zu einem späteren Zeitpunkt durchführen. Sie gehen dann auf Sorgen und Fragen der Hilfe- und Pflegebedürftigen sowie ihrer Angehörigen ein und ermitteln den individuellen Hilfebedarf. Sie beraten umfassend über vorhandene Leistungsangebote und begleiten in der jeweiligen Pflegesituation. Falls erforderlich sowie auf Wunsch erstellen sie auch einen individuellen Versorgungsplan mit den erforderlichen Hilfen.