Unterschätzte Gefahren: Inhalieren und Tee trinken

Gemütlich und gefährlich sind zugleich sind Kaminfeuer, Kerzenschein und heißer Tee. (Foto: BlueOrange Studio / Fotolia)
Gemütlich und gefährlich sind zugleich sind Kaminfeuer, Kerzenschein und heißer Tee. (Foto: BlueOrange Studio / Fotolia)

Gerade in der kalten Jahreszeit passieren viele Kinderunfälle mit Brandverletzungen

(dbp/auh) Sobald das Kleinkind krabbeln kann, ist das Zuhause eine einzige große Gefahrenquelle für seine Gesundheit. Zumindest aus der Sicht der fürsorglichen Eltern. Sie montieren Kindersicherungen in alle Steckdosen, bewahren Reinigungsmittel im abschließbaren Hochschrank auf, versperren den Treppenzugang mit einem kleinen Holzzaun und stellen ein Herdschutzgitter auf. Spitze Tischkanten werden mit Tennisbällen abgerundet, die Wassertemperatur gedrosselt. Doch selbst in einem derart vorbildlichen kindersicheren Haushalt kann es zu Unfällen mit Verbrennungen und Verbrühungen kommen.

Viele denken bei „Risiko Brandverletzungen“ zuerst an offenes Feuer. Doch die offensichtlichen Gefahren bei Kaminfeuer, Adventskranz- und Weihnachtsbaumkerzen oder auch beim Lagerfeuer sind den meisten klar und werden daher von verantwortungsbewussten Erwachsenen kontrolliert. Es sind eher die „versteckten“ Gefahren, die den Großteil der winterlichen Brandverletzungen im Kleinkindalter ausmachen.

Kinder greifen gern nach Flammen

Dr. Verena Ellerkamp berichtet unter www.medizin.uni-tuebingen.de von ihren Erfahrungen als Fachärztin der Abteilung Kinderchirurgie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Tübingen: „Wenn es draußen kalt ist, werden mehr heiße Getränke verzehrt. Aber auch heißer Kamillendampf zur Inhalation bei Erkältungen ist eine Verbrühungsursache. Oft sehen wir auch Verbrennungen an den Händen, die Kinder greifen nach den Flammen, die durch die Glasscheiben am Kaminofen leuchten.“

Besonders gefährdet sind nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Kinder im „Entdeckungsalter“ zwischen zwei und vier Jahren. „Die meisten Unfälle geschehen dabei im zweiten Lebensjahr, wenn das Kind laufen und Gegenstände zu sich herunterziehen kann. In 80 Prozent der Fälle übergießen sich die Kinder mit heißen Flüssigkeiten oder berühren heiße Gegenstände“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.kindergesundheit-info.de.

Heißer Tee kann Babyhaut verbrennen

Eine große Gefahrenquelle stellen laut Dr. Ellerkamp Kabel von Wasserkochern dar, die von der Arbeitsplatte herabhängen. Wichtig zu wissen: Bereits ab einer Temperatur von 52 Grad Celsius schädigen Flüssigkeiten die zarte Babyhaut. „Der Inhalt von nur einer Tasse heißem Kaffee oder Tee kann bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes verbrühen“, erklärt die Initiative für brandverletzte Kinder namens „Paulinchen“.

Der Verein empfiehlt, bei kleinen Kindern ganz auf das traditionelle Inhalieren von Wasserdampf über einer Schüssel zu verzichten. Groß sei die Gefahr, dass die Schüssel umkippe oder mit dem Handtuch beim Aufrichten vom Tisch gerissen werde. Schwerste Verbrühungen des Unterbauchs, der Oberschenkel und der Genitalien seien die möglichen Folgen. Als sicherere Alternative nennt der Verein Nasenduschen oder standfeste Feucht-Inhalationsgeräte aus der Apotheke. Größere Kinder und Jugendliche sollten beim Inhalieren nicht allein gelassen werden.

Brandverletzungen können äußerst schmerzhaft sein und langwierige Behandlungen nach sich ziehen. Narben, die ein Leben lang bleiben, sind eine Folge schwerer Verbrennungen und Verbrühungen. Nicht selten leiden die Kinder psychisch unter dem Trauma der Brandverletzung und ihren Folgeerscheinungen.