Unterschätzte Gefahr PAVK

Die Verschlusskrankheit PAVK ist im Frühstadium nicht zu spüren und nicht zu sehen. (Foto: maumau-design / Fotolia)
Die Verschlusskrankheit PAVK ist im Frühstadium nicht zu spüren und nicht zu sehen. (Foto: maumau-design / Fotolia)

Weltweit steigt die Zahl der Patienten mit der schweren Durchblutungsstörung stark an

(dbp/auh) Die Abkürzung PAVK ist erklärungsbedürftig. Die vier Buchstaben stehen für das Wortungeheuer „periphere arterielle Verschlusskrankheit“. Dabei handelt es sich um eine gefährliche und unterschätzte Durchblutungsstörung, an der nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) mehr als 4,5 Millionen Deutsche leiden.

Die Durchblutungsstörung tritt in den Arterien des Beckens und der Beine auf. Verkalkungen (Atherosklerose) sind die Ursache. Dadurch verengen sich die Arterien derart, dass die Beine nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Das führt zu Schmerzen (in den Waden, im Gesäß oder den Oberschenkeln), die sich zunächst nur beim Gehen bemerkbar machen. Bleiben die Patienten stehen oder setzen sich, klingen die Schmerzen ab. Aus dieser Krankheitsphase stammt die volkstümliche Bezeichnung „Schaufensterkrankheit“, die aber von Experten abgelehnt wird, weil sie verharmlosend klingt.

Schmerzen auch im Liegen

In der nächsten Krankheitsphase tauchen die Schmerzen (in den Füßen und Zehen) auch im Ruhezustand auf, besonders im Liegen. Das finale Stadium ist von massiven Gewebeschäden gekennzeichnet, die zu Geschwüren führen können. Ähnlich wie beim diabetischen Fußsyndrom, ebenfalls eine Folge von Mangeldurchblutung, kann im Extremfall eine Amputation notwendig sein.

Die PAVK ist aber schon gefährlich, bevor sie sichtbar wird. Denn sie kann ein Zeichen dafür sein, dass auch die Arterien im Herzen oder im Gehirn „verkalkt“ sind. Laut DGA sterben 75 Prozent der an PAVK erkrankten Patienten an Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Rauchen ist Risikofaktor Nummer eins

Die PAVK ist bei älteren Menschen über 65 Jahre häufiger – Männer haben ein größeres Risiko als Frauen, was vermutlich auf den größeren Anteil rauchender Männer zurückzuführen ist, denn Rauchen ist Risikofaktor Nummer eins für Gefäßkrankheiten.

Weltweit hat sich die Zahl der Patienten, die an schweren Durchblutungsstörungen in den Beinen leiden, von 164 Millionen im Jahr 2000 auf 202 Millionen im Jahr 2010 erhöht. Das ist das Ergebnis einer schottischen Meta-Analyse, die im vergangenen Jahr im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Für das Forscherteam um Professor Gerald Fowkes von der University of Edinburgh sind hauptsächlich zwei Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich: die höhere Lebenserwartung und die veränderten Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten der Menschen.

Insbesondere der zweitgenannte Aspekt spielt offenbar eine große Rolle für die Entstehung der PAVK. Darauf weist der Trend in den Entwicklungsländern hin: Wo sich die Lebensstilfaktoren immer mehr denen in den Industrieländern annähern, breitet sich die Krankheit vor allem bei Patienten mittleren Alters rapide aus. Bewegungsmangel und ein „westlicher“ Ernährungsstil führen zu den bekannten Risikofaktoren für PAVK: Diabetes, erhöhte Blutdruck- und Blutfettwerte, Übergewicht.

Fowkes kommentierte sein Studienergebnis nach Angaben der DGA wie folgt: „Es handelt sich um ein globales Problem des 21. Jahrhunderts. Der dramatische Anstieg ist schon jetzt eine Herausforderung für das Gesundheitswesen und bedeutet für die Betroffenen weniger Beweglichkeit, Verlust von Lebensqualität und das deutlich erhöhte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.“