Unterschätzt, unterdiagnostiziert und untertherapiert

Bei einer Osteoporose verschwinden immer mehr Knochenbälkchen, wodurch der Knochen immer poröser wird und schon bei relativ geringen Belastungen brechen kann. (Foto: Fotolia / crevis)
Bei einer Osteoporose verschwinden immer mehr Knochenbälkchen, wodurch der Knochen immer poröser wird und schon bei relativ geringen Belastungen brechen kann. (Foto: Fotolia / crevis)

Osteoporose tritt oft erst mit dem ersten Bruch zutage.

(dbp/spo/fru) Knochen sind lebendiges Gewebe, in dem ständig alte Zellen ab- und neue aufgebaut werden. Wenn das Verhältnis zwischen Auf- und Abbau gestört ist, kann es zu einer Osteoporose kommen – im Volksmund auch Knochenschwund genannt. „In Deutschland leiden etwa fünf bis sieben Millionen Menschen an Osteoporose“, sagt der Berufsverband der Frauenärzte. Bis etwa zum 35. Lebensjahr überwiegt normalerweise der Zellaufbau. Das bedeutet: Mit Mitte 30 hat der Mensch die stärkste Knochendichte, danach beginnt der Abbau. Ein gewisser Schwund ist bei Älteren also völlig normal. Jährlich gehen so zwischen 0,5 und einem Prozent an Knochenmasse verloren. Osteoporose-Patienten büßen im Vergleich bis zu sechs Prozent ein, was schwerwiegende Folgen haben kann.

Viele Ursachen kommen als Auslöser infrage

Eine Osteoporose kann durch mehrere Faktoren verursacht werden: einen Mangel an Kalzium, das den Knochen im Inneren dicht und stabil macht, zu wenig Bewegung oder hormonelle Veränderungen. Auch ein erblicher Faktor wird vermutet. Weitere Ursachen können auch andere Erkrankungen wie Diabetes, hormonelle Störungen (etwa eine Schilddrüsenüberfunktion) oder Rheuma sein. Ebenso kommen eine Nierenschwäche, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Milchzuckerunverträglichkeit, Magersucht oder chronische Darmerkrankungen als Risikofaktoren infrage. Häufig fängt der Knochenabbau in den Wechseljahren an, wenn bei Frauen die Produktion des Hormons Östrogen abnimmt. Deshalb sind Osteoporose-Patienten auch größtenteils weiblich.

Bei einer Osteoporose brechen immer mehr Knochenbälkchen ein, der „Schwamm“ wird also poröser. Das Tückische: Der Knochenschwund bleibt anfangs unbemerkt. Oft zeigt er sich erst, wenn schon bei harmlosen Belastungen ein Bruch oder stechende Rückenschmerzen auftreten. Wenn die Osteoporose unbehandelt bleibt, können Patienten langfristig zum Pflegefall werden.

Regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung bieten Schutz

„Osteoporose ist unterschätzt, unterdiagnostiziert, untertherapiert“, heißt es auf den Internetseiten des Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverbands. Man könne aber selbst einiges für starke Knochen tun. Jeder Muskelreiz dringt bis zum Knochengewebe hindurch und sorgt dafür, dass die Knochenmenge erhöht und die Biegefestigkeit gestärkt wird. Eine positive Wirkung haben z. B. Spaziergänge an der frischen Luft. Zudem sorgen (auch an bewölkten Tagen) die UV-Strahlen dafür, dass der Körper Vitamin D bildet. Dieses wird für die Kalziumaufnahme aus dem Darm gebraucht. Bessere Effekte als Spaziergänge bringen leichte Kraftübungen – z. B. mit Hanteln oder Widerstandsbändern. Entsprechende Kurse werden in Fitnessstudios oder Sportvereinen angeboten. Für Osteoporose-Patienten, die beim Gehen bereits unsicher sind, wird darüber hinaus Sturzprävention empfohlen, also die Kombination aus Kraft- und Balancetraining.

In der zweiten Lebenshälfte werden mehr Knochenzellen abgebaut als neue aufgebaut.  Deshalb ist eine kalziumreiche Ernährung sehr wichtig – sowohl als Osteoporose-Vorsorge als auch bei einer bestehenden Erkrankung. Kalzium ist als „Knochenmineral“ bekannt und kommt gehäuft in Milchprodukten, grünem Gemüse oder Sesam vor. Wer keine Milchprodukte verzehrt, hat es schwerer, genug Kalzium aufzunehmen. Für solche Fälle gibt es Nahrungsergänzungsmittel. Um sicher zu gehen, dass nicht zu viel Kalzium aufgenommen wird, sollten Betroffene aber vor der Einnahme von Tabletten mit ihrem Arzt sprechen.