Ungewissheit ist die größte Gefahr

Die rote Schleife symbolisiert seit mehr als 20 Jahren die Unterstützung für Menschen mit HIV und Aids. (Foto: beermedia.de / Fotolia)
Die rote Schleife symbolisiert seit mehr als 20 Jahren die Unterstützung für Menschen mit HIV und Aids. (Foto: beermedia.de / Fotolia)

Die Aidshilfe rät: Menschen mit Infektionsrisiko sollten HIV-Test machen

(dbp/auh) Wird eine Infektion mit dem HI-Virus frühzeitig entdeckt, kann die medikamentöse Behandlung den Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids verhindern. Deshalb sollten alle Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko einen HIV-Test machen lassen, rät die Deutsche Aidshilfe.

„Leider erfahren noch immer viele Menschen viel zu spät von ihrer HIV-Infektion, manche sogar erst, wenn sie mit lebensbedrohlichen Erkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert werden“, informiert die Aidshilfe unter www.aidshilfe.de/de/sich-schuetzen.

Medikamente senken das Übertragungsrisiko

Aber nicht nur für den infizierten Menschen selbst ist die Gewissheit, sich angesteckt zu haben, wichtig. Auch das Übertragungsrisiko steigt, wenn eine HIV-Infektion nicht erkannt und folglich nicht behandelt wird. Die Medikamente, die den Ausbruch von Aids verhindern, sorgen nämlich auch dafür, dass die Viruslast und damit die Übertragbarkeit sinkt.

„Eine vordringliche Aufgabe der Prävention besteht heute darin, Menschen zum Test zu motivieren, wenn sie ein Risiko hatten“, sagte Manuel Izdebski vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe Anfang November 2014. Anlass war die Bekanntgabe der aktuellen Infektionszahlen durch das Robert-Koch-Institut (RKI). Nach Schätzungen des RKI leben in Deutschland 80.000 Menschen mit dem HI-Virus, davon sind 65.000 Männer und 15.000 Frauen. Die Zahl der Neuinfektionen liegt laut RKI für 2012 und 2013 konstant bei jeweils 3.200. Das wird von den Experten als gute Nachricht bewertet, denn in den Jahren 2000 bis 2005 war diese Zahl deutlich gestiegen.

Die Zahl der nicht-diagnostizierten HIV-Infizierten wächst

Doch eine andere Gruppe von HIV-Infizierten wird seit Ende der 1990er Jahre zahlenmäßig größer: Menschen, die mit HIV infiziert sind, es aber nicht wissen. 2006 gab es 11.000 HIV-Infizierte, die noch nicht diagnostiziert waren, im Jahr 2013 waren es 14.000.

Daher sei bei kondomlosem Sex mit einem vermeintlich HIV-negativen Partner das Ansteckungsrisiko heute höher als Ende der 1990er Jahre, teilt das RKI in seinem aktuellen Epidemiologischen Bulletin (Nr. 44 vom 3. November 2014) mit. Das heißt: Wer heute mit einem HIV-Infizierten schläft, der optimal medikamentös behandelt wird, hat ein geringeres Risiko, sich anzustecken als beim Geschlechtsverkehr mit einem, der glaubt, er sei HIV-negativ. Dies gilt nach Angaben der Deutschen Aidshilfe vor allem für schwule Männer und Menschen, die sich Drogen spritzen. „Das Risiko beim Sex mit einem Partner, der keine Gewissheit darüber hat, dass er nicht infiziert ist, kann aber nur durch Verwendung eines Kondoms entscheidend gesenkt werden“, betont das RKI.

Schwulen Männern und anderen Menschen mit einem erhöhten HIV-Risiko empfiehlt die Deutsche Aidshilfe, sich einmal im Jahr auf HIV testen zu lassen. So sei der Therapiebeginn zum optimalen Zeitpunkt möglich. Aber auch, wenn eine HIV-Infektion möglicherweise schon länger zurück liegt, lohne sich der Test.

„Für höhere Testraten braucht es noch mehr anonyme und vertrauenswürdige Testangebote in den Lebenswelten der am stärksten betroffenen Gruppen, zum Beispiel in Aidshilfen, schwulen Zentren und Einrichtungen der Drogenhilfe sowie an geeigneten Orten für Migranten“, fordert die Deutsche Aidshilfe.