Über- und Unterfunktion

Die Schilddrüse ist für die Produktion wichtiger Hormone zuständig. (Foto: Fotolia / Sebastian Kaulitzki)
Die Schilddrüse ist für die Produktion wichtiger Hormone zuständig. (Foto: Fotolia / Sebastian Kaulitzki)

Schilddrüsenfunktionsstörungen sollten frühzeitig behandelt werden.

(dbp/spo/fru) Die Schilddrüse sitzt im vorderen Hals in Höhe unseres Kehlkopfes und besteht aus zwei Drüsenlappen, die links und rechts neben der Luftröhre liegen. Bei einem erwachsenen Menschen wiegt sie im gesunden Zustand 20 bis 30 Gramm, erklärt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Hauptaufgabe der Schilddrüse ist die Produktion von Hormonen, die wichtig für die Steuerung von Muskelfunktion, Sauerstoffumsatz, Herzschlag und Blutdruck sind. Ob Überschuss oder Mangel – wenn die Hormonproduktion in der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht fällt, hat das ernste Auswirkungen auf den Stoffwechsel.

 

Hypothyreose von Hyperthyreose unterscheiden

 

Wenn man ständig müde, schlaff und antriebslos ist, können diese Symptome auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hinweisen. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist entweder angeboren oder erworben – wobei das Erkrankungsrisiko mit dem Alter steigt. Frauen sind statistisch gesehen deutlich häufiger betroffen als Männer, sagt der BDI. Eine leichte Unterfunktion entsteht oft durch eine Unterversorgung mit Jod, denn Jod wird für die Produktion der Schilddrüsenhormone dringend gebraucht. Sie kann z. B. aber auch durch Entzündungen, einen Tumor oder eine Operation an der Schilddrüse ausgelöst werden.

Wenn Betroffene im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenerkrankung zwar ein starkes Hungergefühl haben und ausreichend essen, aber trotzdem in der Regel abnehmen, sprechen die Mediziner von einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Auch Körpertemperatur und Puls können dabei erhöht sein. Weil die Schilddrüse zu viele Hormone produziert, läuft der Stoffwechsel bei diesen Patienten auf Hochtouren. Es wird viel mehr Energie verbraucht, als bei einer normalen Funktion, deshalb auch die Gewichtsabnahme. In vielen Fällen zeigt sich die Überfunktion – übrigens genau wie die Unterfunktion – durch die Bildung eines Kropfes (Struma).

 

In schweren Fällen hilft nur eine Operation

 

„Eine Schilddrüsenunterfunktion sollte so früh wie möglich behandelt werden, um bleibende Schäden zu verhindern“, empfiehlt der BDI. Bislang sei eine Heilung nicht möglich. Mit Medikamenten könne man jedoch die Auswirkungen der Erkrankung sehr wirkungsvoll verringern und ein normales beschwerdefreies Leben führen. Schilddrüsenhormone werden in Form von Levothyroxin verabreicht, das im Körper wie die körpereigenen Schilddrüsenhormone wirkt. Bei richtiger Dosierung kommt es zu keinen Nebenwirkungen, sagt der BDI.

Wird eine Überfunktion nicht behandelt, besteht auch hier die Gefahr von Folgeerkrankungen – zum Beispiel einer Herzschwäche, Stoffwechselstörungen oder Funktionsstörungen anderer Drüsen. Die Hormonproduktion der Schilddrüse ausgewogen zu gestalten, ist aus therapeutischer Sicht oft ein Balanceakt. Zur Therapie werden so genannte Thyreostatika verschrieben, also Medikamente, die die Bildung und Ausschüttung von Hormonen hemmen. Ihre Dosis hängt von der Schwere der Erkrankung und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Wenn die Medikamententherapie nicht ausreicht, gibt es noch die Möglichkeit einer Radio-Jod-Therapie. Dabei nimmt der Patient per Kapsel oder in Wasser gelöst radioaktives Jod ein, das sich in der überaktiven Schilddrüse sammelt und dort die Hormonproduktion bremst. Wenn beides nicht hilft, ist in schweren Fällen eine Operation nötig.